...der Tempelreliefs hinduistischer und buddhistischer Palastruinen der altkambodschanischen Königsstadt Angkor
(Blogger sucks: man kann nicht mal eine vollkommen normal bemessene Überschrift in die Titelzeile setzen!!!)
Angkor – ich will es mal so sagen: das, was wir uns heute aus historischer Perspektive anschauen, ist ostasiatischer Antikenporno pur. Wer sich einmal den gesamten Stil dieser Tempelanlagen anschaut, merkt schnell, dass Angkor komplett pornographisch konzipiert ist. Phallussymbol da, Phallussymbol dort – und dazu noch in Lotusblütenform. Eine Symbolik die Bände spricht. Und zwischenzeitlich wurde sie wohl sogar Lingapura genannt – also die Stadt zu Ehren von Shivas Phallus. Ursprünglich kommt die ganze Angkorsymbolik aus dem Hinduismus, der auch die Altgeschichte von Kambodscha nachhaltig geprägt hat. Das vermischt sich dann mit dem Buddhismus und zack: schon haben wir diese ganzen Lingas, welche die Hindus anbeten, überall auf dem Staatsgebiet von Kambodscha. Wobei, so absolut als Phallus von Shiva wird das Linga auch wieder nicht angebetet. Während die Tantra-Lehre darauf pocht, dass es sich um das gigantische Gottesgemächt handelt, bestehen die strengen Hindus auf die Wesenslosigkeit von Shiva. Das Linga steht dabei aber immer noch für die männliche Schöpferkraft des Angebeteten – und genau als solche wollten sich die Khmer-Herrscher in der Frühphase des Reiches verewigen. Kurz um, jeder König musste unbedingt seinen eigenen Phallus auf die staubtrockene kambodschanische Erde setzen und einer musste natürlich größer als der andere sein. Das erklärt letzten Endes, wieso es in Angkor nicht wie in vielen anderen Hauptstädten nur einen Palast, einen Tempel, ein Herrschaftszentrum gibt, sondern so viele, dass man es an einem Tag, nicht mal in einer Woche schafft alles komplett zu sehen (andererseits wurde der Palast eines Khmer-Herrschers nach seinem Tod auch zu seinem Grabmal, was ein anderer Erklärungsansatz wäre...aber, ach…meine Version ist schlüssiger und, was noch viel wichtiger ist: unterhaltsamer).
Phalli von Angkor Wat
Seitenphallus von Angkor Wat
Phallus-Türme der klassisch hinduistischen Angkor-Periode
Phallus-Türme der klassisch hinduistischen Angkor-Periode
Um das 13. Jahrhundert bekommen die phallischen Türme, namentlich die des Bayon-Tempels, übrigens Gesichter: kurzum, sie sind keine Phalli in dem Sinne mehr. Zumindest symbolisieren sie nicht mehr Shivas Glied, sondern Buddhas Kopf. Die Khmer beginnen sich vom hinduistischen Linga abzuwenden und orientieren sich zunehmend am Buddhismus, was endlich auch die Brüste ins Spiel bringt (so halbwegs – oder auch gar nicht: ich brauche jedenfalls eine Überleitung!!!). Die befinden sich in Angkor überall!!! Nicht so sehr am Haupttempel, denn der stammt ja noch aus der phallischen Phase. Aber an allen anderen Palästen. Doch wenn ich sage: nicht so sehr am Haupttempel, dann spreche ich immer noch von über 1.700 Frauenfiguren im Angkor Wat, die allerdings allesamt weniger nackt sind, als in den anderen Komplexen. Eher sehr bauchtänzerisch und wohlgestaltet – also Geschmack hatten diese Khmer: aber der ist ja was die reine Form betrifft evolutionär universell. Gesellschaftlich wichtige Persönlichkeiten sollen diese Relieffrauen von Angkor jedenfalls nicht abbilden, auch wenn es Forscher gibt, welche die Schnitzereien als Promi-Facebook der kambodschanischen Antike bezeichnen. Bei Angkor Wat könnte man mit der Facebook-These vielleicht noch mitgehen: die Frauen sind ja angezogen abgebildet und allem Anschein auch noch irgendwie unterschiedlich aussehend. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens? Die Hindu-Ära war gewiss emanzipatorischer als das später vom Buddhismus dominierte Khmer-Reich. Es gab Königinnen und Hohepriesterinnen, die sich weit weg vom Zentrum des hinduistischen Kults in Indien sehr viel unabhängiger verwirklichen konnten als andernorts. Das spräche für die Abbildung von Personen. Aber die barbusigen Damen an der aus buddhistischer Zeit stammenden Lepraterrasse, die ihren Namen von einer geschlechtslosen (dem Mythos nach leprakranken) (Königs-)Figur haben soll? Oh nein, nein, nein…wenn wir schon in Internetmetaphern sprechen, so sind die Brüste von der Lepraterrasse eher ein altertümliches YouPorn nur ohne Motion. Irgendeine gleichermaßen bedeutsame Rolle müssen die Reliefs jedenfalls gehabt haben, denn es werden wirklich ausschließlich Brüste dargestellt, um die sich rein zufällig noch ein Restkörper anzuordnen scheint. Warum? Zu was? Ob nun zu Fruchtbarkeitszeremonien, zur Yoni-Anbetung im Gegensatz zur Linga-Verehrung oder zu welchen Ritualen auch immer, die sich in den heiligen Hallen abgespielt haben mögen!?! Mit dem Sexismus haben es die Buddhisten jedenfalls schon ein wenig, auch wenn die Lehre gleichberechtigtes Suchen und Finden von Erleuchtung vorgibt. Aber als Religion muss man es ja nicht immer ganz genau nehmen. Außerdem wurde in der frühbuddhistischen Lehre alles Weibliche per se stets als Ausdruck von Weltleiden und Begierde, als teuflischer Weg in die qualvolle Reinkarnation, also in die nicht enden wollende Wiederkehr des ewig Gleichen, um mal wieder den guten alten Nietzsche hervorzuholen, verstanden: "Wenn du zum Weibe gehst, vergiss die Peitsche nicht!"
Phallisch anmutendes Eingangsportal zum Angkor Thom Areal, wo sich auch der Bayon-Tempel befindet
Gesichter über Gesichter an der Hauptmagistrale zum Bayon
Bayon-Tempel aus der buddhistischen Phase: jetzt bekommen die Phalli Gesichter
Frühbuddhistische Epoche: Phalli mit Nase, Mund und Ohren
Frühbuddhistische Epoche: Phalli mit Nase, Mund und Ohren
Frühbuddhistische Epoche: Phalli mit Nase, Mund und Ohren
Frühbuddhistische Epoche: Phalli mit Nase, Mund und Ohren
Noch zünftig gekleidet: Frauenreliefs am Angkor Wat
Hier geht es endlich mit den nackten Frauen los: An der Terrasse des Leprakönigs, der ganz gemächlich da herumsitzt
toll
wunderschön
atemberaubend
fantastisch
Die hier auch: einfach nur super
gebieterisch
ausgezeichnet
etwas nachdenklich
Eine der buddhistischen Tempelanlagen mit den vielen hübschen Mädchen an den Wänden hat es mir, wenn auch unabsichtlich, besonders angetan: Preah Khan. Sie befindet sich fast ganz im Norden und ist so ein kleines bisschen kreuzartig aufgebaut. Im Zentrum des ganzen Komplexes befindet sich ein Stupa, von dem lange Gänge in alle vier Himmelsrichtungen gehen. Von Norden her komme ich und schreite zielsicher auf den altertümlichen Palast zu, muss gleichzeitig noch die Horde an Kindern abwimmeln, die mir seit meiner Ankunft in Angkor selbstgebastelte Armreife verkaufen wollen: 10 Stück für einen Dollar. Was soll ich denn mit zehn Stück? Und warum überhaupt ich? Ach ja, zum verschenken. Aber an wen denn alles? Würde ich bei jedem Kind zehn Armreife kaufen, würde ich mit geschätzten 200 nach Hause gehen, was immerhin einen nicht enden wollenden Vorrat an Geschenkmaterial für etwaige Freundinnen bedeuten würde. Ich hätte das vielleicht doch noch einmal genau durchrechnen und mich von den gewaltigen Vorteilen eines solchen Lagers überzeugen sollen. Notfalls könnte man die von kambodschanischen Kinderhänden gefertigten Armreife ja noch für einen Dollar pro Stück in Deutschland verkaufen und darauf pochen, dass es Unikate aus Indochina wären. Zu spät, zu langsam gedacht. Die Kinder bringen mich jedoch so durcheinander, dass ich gleich zweimal in den Tempel laufe. Einmal von Norden nach Süden und zurück und dann erneut von West nach Ost. Die Sache ist einfach die: der Komplex ist wirklich groß und als ich schon wieder mein Fahrrad erklimme und gen Westen fahre, dauert es gut und gerne zehn Minuten bis ich an der nächsten Abbiegung mit dem Hinweis auf irgendeinen Tempel vorbeikomme. Ich denke natürlich angesichts der Entfernung: das muss doch jetzt ein anderer sein. Und bevor ich mich des Namens vergewissern kann, kommen schon wieder die kleinen Verkäufer an und laufen mir bis zum reichgeschmückten Eingangsportal hinterher, auf das riesige bengalische Feigenbäume einfach mal so drauf gewachsen sind. Das hatte ich vorher nicht gesehen und beeindruckt von diesem Anblick laufe ich hypnotisch die Ost-West-Magistrale entlang. Als ich in der Mitte beim Stupa ankomme, denke ich mir noch so: Mensch, sehr einfallsreich waren die Khmer bei der Strukturierung ihrer Tempel aber auch nicht. Immer dasselbe Prinzip. Himmelsrichtungstangenten und ein Stupa in der Mitte: LANGWEILIG!!! Ja, und jetzt wird es wirklich peinlich. Erst als ich an meinem eigentlichen Ziel, der Tempelanlage Ta Prohm, wo Angelina Jolie als Computerfigur und gut aussehende, passenderweise auch noch vollbusige Archäologin Lara Croft im gleichnamigen Film nach verlorenen Grabschätzen sucht, ankomme, merke ich, dass ich zweimal durch dieselben Ruinen gelaufen bin. Was für ein Spaß. Wenigstens habe ich andere Wege genommen und mir dadurch etwas Abwechslung gesichert. Für die restlichen Angkorgebäude bleibt wegen meines Intensivausflugs in den Preah Khan aber leider kaum noch Zeit. Wenig später versagt auch noch mein Fotoapparat – und somit auch meine Erinnerung an die fortfolgenden Geschehnisse. Von mehr kann ich erst wieder berichten, wenn die Batterie geladen ist.
Feigenbaum vs. Tempel
Feigenbaum vs. Tempel
Ja, hier sehen die Mädels schon wieder ganz anders aus: hochbuddhistische Phase in Preah Khan
Markus mit strengem Archäologenblick zwischen den Frauenbildnissen in Preah Khan
Ewig lange Gänge in Preah Khan und ein Buddha, der seinen Kopf verloren hat
Echte Nervensägen - aber ein günstiges Angebot: only one Dolla-a-a-ar
Preah Khan
like.:)
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