Einmal mehr diese Klüngelgeschäfte. Der Fahrer kennt einen anderen Fahrer oder hat einen Bruder oder Vater oder was weiß ich nicht, der den Fortgang der Reise nach Laos organisiert und hierfür wiederum seinen Bruder, Vater, Onkel etc. etc. etc. anheuert. Bei einem angeblich kostenlosen Frühstück wird mit größter Dramatik verkündet, dass das Visum nach Laos unheimlich teuer sei und man den genauen Preis bezahlen müsse: 45 Euro plus Stempelgeld. Unfassbarer Weise glaube ich diesen Trug auch noch. Ja, Markus ist leicht übers Ohr zu hauen, wenn er müde ist. In den Morgenstunden sollte er daher lieber das Bett hüten und bloß nicht mit Betrügern in Kontakt kommen. Mindestens 10 Euro landen somit in der Hemdtasche des schmierigen Gasthausbesitzers, der seinen Bruder beauftragt uns an die Grenze zu Fahren. Und der Bruder, als er erfährt, dass ich 45 Euro statt 32 bezahlt habe, kriegt sich nicht mehr vor Lachen. Wer mag es ihm verdenken. Er zeigt unentwegt auf seine Brusttasche und deutet mir somit mit grinsendem Gesicht an, dass ich durch kambodschanischen Kakao gezogen wurde. Wenigstens erlässt er mir das Stempelgeld. Auf weitere Gerechtigkeit kann ich wohl kaum pochen. Auch wenn ich ihm sage, dass er sich das Geld gefälligst von seinem Vetter in Stung Treng wieder holen soll, liegt es bereits auf der Hand, dass der Zehner verloren ist. Ein schöner Auftakt für Laos. Im Nachhinein lese ich mal wieder den Wikitravel-Abschnitt über Scams an der laotischen Grenze und erfahre, dass es sich um gängige Praxis handelt. Ja, hätte ich mich mit dem Thema mal vorher beschäftigt – ich hätte Tricks und Preise gewusst. So aber stehe ich mit 10 Euro weniger auf der laotischen Seite eines farblich doch sehr blassen Schlagbaums und werde in den nächstbesten Kleinbus zu den 4000 Inseln verfrachtet.
Ja, die 4000 Inseln. Nun, die befinden sich direkt im Grenzgebiet von Kambodscha und Laos und stellen eine erstaunlich große Anhäufung von Inseln direkt im Mekong dar. 4000 sollen es sein – sagt ja schon der Name. Und da ich es selber nicht glauben wollte, habe ich einmal Google Maps befragt und erstaunlicherweise herausgefunden, dass die Zahl ungefähr hinkommen könnte. Wer will kann selbst nachzählen. Also ich kam in einer ruhigen Minute auf 3732 Inseln:
Fast genau 4000 Inseln Das ich Zeit für solche Sinnlosigkeiten, wie Inselnzählen hatte, gründet sich übrigens auf der Tatsache, dass ich auf Don Det die ruhigste Zeit meiner gesamten Reise erleben und verleben durfte. Seit dem Anlegen mit einem wackeligen Boot von dem gerüchtehalber seitens aller Passagiere behauptet wird, dass unsere Chancen nicht umzukippen 50:50 stünden, habe ich fast keine Menschenseele mehr gesehen. Okay, so einsam ist es auf Don Det nun auch wieder nicht. Aber in meinem Bungalow wohnt ja sonst niemand. Und auf meiner Terrasse treibt sich sonst auch niemand rum. Und in meiner Hängematte liege nur ich und unter mir – ja da legen jeden Morgen die Fischerkähne an. Ein ganzer Bungalow am Wasser nur für mich. Fünf Minuten weiter durch die stockdustere Mekong-Dunkelheit marschiert, erreicht man so etwas wie eine Ortschaft, welche von einer eher kleinen Anzahl an Touristen besetzt gehalten wird. Bars, Restaurants, Internet gibt es hier. Für meine Zwecke optimal. So kann ich unter Menschen wenn es mir beliebt und mich zurückziehen, wenn ich einmal die seltsame Idee habe, mich um meine Magisterarbeit zu kümmern. Erstaunlicherweise mache ich das sogar. Nebenbei wird mit Artikelschreiben übers Internet 20 Euro am Tag verdient – Ausgaben: ein Dollar pro Nacht für den Bungalow, ein Dollar pro Mahlzeit, 50 Dollarcent für das Internet. Meine Bilanz stimmt: ich mache gut und habe Ruhe und habe Konzentration. Am besten gleich hier herziehen: mein Abschlusssemester einfach in der Abgeschiedenheit verbringen. Dann wäre ich wahrscheinlich schon in zwei Wochen mit diesem ellenlangen Text fertig. Jedenfalls kommt die Idee ins Notizbuch und mal schauen, was sich da so ergibt.
Mekong-Überfahrt
Der Bungalow
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen