Und da wollte ich nun in Vietnam anfangen zu trampen. Hätte ich mal nur auf die vielen Warnungen gehört, denn feststeht: in Vietnam gibt es keine Autos. Ein bis zwei vielleicht, aber ansonsten sieht man den Asphalt vor lauter Motorrädern nicht. Jeder hat eines – und wer keines hat, der hat einen Roller. Wenn man natürlich keine Ahnung davon hat, diese Dinger zu fahren, steht man ziemlich blöd da in Vietnam. Jeder wird automatisch davon ausgehen, dass man mit Motorrädern oder Mopeds umgehen kann. Im Zweifelsfall kann man sich aber immer noch auf den Rücksitz eines Moto-Taxis schwingen und zu seinem Bestimmungsort düsen. Man braucht auch gar nicht lange suchen. An jeder Ecke steht ein „guter Freund“, der einem zum Spottpreis fahren möchte und einem gleich „Moto, Moto – very cheap“ zuruft. Der Preis halbiert sich dann durch geschicktes Verhandeln und gezielte Sturheit noch einmal, man bekommt mürrisch einen Helm in die Hand gedrückt und los geht es. Das mit den Helmen ist in Vietnam übrigens besonders erwähnenswert. Erst vor ein paar Jahren hat man hohe Strafen für Mopedfahrer ohne Helme eingeführt. Jetzt trägt jeder einen und die Taxifahrer haben immer welche für die Fahrgäste dabei. Schaut man dagegen nach China oder in die anderen Nachbarländer wie Kambodscha und Laos – dort ist es den Fahrern vollkommen egal, ob ihre zahlenden Kunden den Helm aufhaben oder nicht. Dabei ist der Helm in Vietnam längst nicht nur Schutz, sondern auch modisches Accessoire. Die einfallsreichsten Kreationen sind an den Ampeln und an den Verkaufsständen am Straßenrand zu finden. Dort wo das Leben in Hanoi hauptsächlich stattfindet – nämlich auf dem Bürgersteig, wo Kaffee, Bier und kühle Shakes ausgeschenkt und konsumiert werden – bieten illegale Geschäftstreibende auch bunt bemalte oder als Baseball Caps camouflierte Motorradhelme an. Das Business läuft gut. Nur manchmal kommt ein Einsatzwagen der Polizei vorbei und räumt die gesamte Ware ein. Ohne Lizenz darf theoretisch nichts verkauft werden.

Und sie fahren einem immer ins Bild: Modeds und Mopedfahrer

Moto
Motorradfahren im Monsun. Ja, das ist auch so eine Sache: Sommer heißt Regenzeit und es kommt manchmal an einem Tag so viel Wasser herunter wie in Deutschland im ganzen Jahr. Die Straßen können dann gleichzeitig als Schifffahrtswege verwendet werden. Und zwischen den Schiffen schwimmen trotzdem noch die Mopeds.
Fast wäre ich selber der Versuchung erlegen, einen Helm zu erwerben. Aber wozu? Vielleicht einzig und allein zum Überqueren der Straße? Ja, vielleicht. Bei scheinbar Millionen von Motorrädern auf dem Asphalt, scheint das ohne Helm echt gefährlich zu sein. Als Faustregel gilt aber: einfach schnurstracks geradeaus laufen ohne auf die Mopeds zu achten. Im Gegensatz zu chinesischen Fahrzeuginhabern weichen die nämlich aus und umfahren das Hindernis Fußgänger gekonnt. Wenn man dagegen selber dem Motorrad versucht auszuweichen oder gar erschrocken stehenbleibt, kann das in der Karambolage enden. Denn damit rechnet keiner. Damit rechnet weder das coole Chick, das lässig auf ihrem Roller sitzt, noch die Großfamilie, die zwei Kleinkinder zwischen sich geklemmt hat und den ältesten Spross zwischen Lenker und Sitz balanciert, noch das Mädchen, dass die Beine übergeschlagen hinter ihrem Freund elegant auf dem Motorrad sitzt, bei deren Anblick ich mich immer wieder frage: wie, wie, wie kann man so nicht runterfallen? Die Vietnamesen scheinen die Antwort zu kennen. Ich dagegen verstehe es einfach nicht, finde es aber beeindruckend, das jeder von Jung über Alt bis Uralt mit dem Roller durch die Gegend fährt.

Helme über Helme

Da hab ich auch den Helm auf - nicht meiner allerdings

Motorradmädchen
Straßenüberquerung
Sehr gut!
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