Montag, 13. September 2010

One Night in Bangkok and the World’s your Oyster

Ach, jetzt wird es bereits retrospektiv und das ist allergrößter Mist. Denn aus verblassenden Erinnerungen erzählen ist einfach nicht das gleiche, wie wenn man Erlebnisse unmittelbar zu Papier bringen würde. Aber gut, versuchen wir es mal. Ich bin also in Bangkok…da waren wir stehengeblieben: Stadt mit dem längsten Namen der Erde und einem ziemlich schillernden Nachtleben. Quietschende Popmusik und RnB – Clubs, die sich Spicy, Juicy oder was auch immer nennen: letzte Silbe betont - wie sich das für thailändisches Englisch gehört. Alles in allem jedenfalls eigenartige Namen. Schon in den Lobbys wird man von einer Horde Ladyboys empfangen und man drängelt sich in einem ordentlich vollgepackten Tanztempel hinein.

Sang Som Whiskey
Doch kaum einer tanzt. Wie in Asien gar nicht unüblich stehen die Leute um Bartische herum und schlürfen, und jetzt kommt’s: Whiskey mit Soda. In den Clubs kann man sich die Flaschen direkt reservieren lassen. Nach dem Couchsurfing Meeting meinen zwei Deutsche zu mir, dass sie noch eine Flasche Whiskey im Club haben. Ich meine: was habt ihr? Ja, man kauft eine, trinkt sie halbleer und lässt sie in sein eigenes Fach stellen. Irgendwie macht es ja auch Sinn. Nachweislich vertragen Asiaten weniger als Europäer und warum sollte man sich dann gleich dazu zwingen, alles zu leeren.

Eine weitere Absurdität sind die Toiletten, auf die man am besten gar nicht erst geht – bzw. ist es empfehlenswert sich gleich in die Kabinen zu mogeln. Wer am Pissoir steht wird urplötzlich von hinten attackiert. Das nennt sich Service oder so. Während des Wasserlassens massieren einem wildfremde Menschen den Rücken. Selbst wenn man dankend ablehnt. Und am Ende wollen sie auch noch Geld dafür. Das muss einer mal hierzulande bringen.

KSR

KSR

Mädchen: Ja, das ist in Bangkok natürlich auch so eine Sache. Oder wie die beiden Abba-Musiker Benny und Björn sagen würden: Eine Nacht in Bangkok und die Welt ist deine Auster – und wenn du Glück hast, dann ist die Perle darin sogar weiblich (Ist übrigens aus dem 80er Jahre Musical Chess – One Night in Bangkok). Doch selbst wenn es echte Mädchen sind, hat man keine Ahnung, auf was sie es abgesehen haben. Europäer sind schließlich gefragt: nicht nur wegen des Geldes, aber weiße Haut gilt als attraktiv. Ich laufe also durch irgendeinen Club – nennen wir ihn Spicy (die Namen sind austauschbar, doch als wir zwei Tage später eine Rechnung aus diesem Laden fanden, schlussfolgerten wir logisch, dort gewesen sein zu müssen). Eigentlich sind wir schon dabei das Lokal zu verlassen. Vorausschauend nehme ich die Flasche Whiskey lieber mit, da wir sowieso vergessen haben würden, wo wir sie reserviert gehabt haben hätten lassen werden (Futur 8). Doch als ich so entlang schleiche hält mich irgendeine Thailänderin auf. Man lässt sich auf kurze Gespräche ein, Small Talk – alles angenehm, und nach fünf Minuten fängt sie an, mich aus dem Nichts heraus zu küssen. Ёб твою…ich meine: was zum Teufel. Nicht, dass ich prinzipiell etwas dagegen gehabt hätte, aber irgendwie erschien mir die Sache mehr als suspekt. Verwirrt schaue ich mich um…frage, was in aller Welt sie von mir will. Sie kann es mir nicht sagen und ich zische ab. Vielleicht ein Fehler – oder auch nicht.

Die Flasche Whiskey konnten wir immerhin noch heil nach Hause transportieren, wo uns die schlafende Pennie verwirrt in Empfang nahm. Am nächsten Morgen war sie spurlos verschwunden und niemand schien sich mehr daran zu erinnern, was am Vorabend passiert ist. Nicht viel, wenn man es genau nimmt. Ich nutze die Verwirrung, um mir wenigstens einmal die Altstadt anzuschauen. Da gibt es einen goldenen Berg, Tempel, Tempel…auch Tempel…und Tempel ebenso. In einem Tempel liegt ein liegender Buddha aus reinem Gold. Und daneben gibt es einen Tempel. Die Rundfahrt durch die Stadt organisiere ich mir zunächst mit dem Boot, dann wird auf ein Tuk-Tuk umgestiegen, dessen Fahrer unentwegt aus kleinen, braunen Medizinfläschchen Energetika, namens Krating Daeng trinkt. Ein Aufkleber zeigt zwei Bullen, doch so ganz wie Red Bull sieht es dann eben doch nicht aus. Des Rätsels Lösung: die Österreicher haben es (wer könnte es anders von dieser gemeingefährlichen Nation – ich sage nur Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Fritzl und Natascha – erwarten) geklaut. Irgendeiner von ihnen – vielleicht sogar Fritzl selber: wenn ich mich recht erinnere hatte man ja einst seine idyllischen Urlaubsfotos an thailändischen Stränden im Fernsehen gezeigt (ohne die Familie im Keller versteht sich) – war wohl einst auf Reisen in Südostasien, sah was die Tuk-Tuk-Fahrer da ständig herunterschlucken und dachte sich: das wäre patentreif für Europa. Und voila: Red Bull ist entwickelt. Fast eins zu eins dasselbe Aussehen – etwas weniger Aufputschmittel hinein, damit das Herz nicht so rast und schon haben wir den großen Verkaufserfolg.


Darüber sinnierend überhöre ich fast, wie mir der Fahrer tatsächlich schwört, dass ich nur 20 Baht zahlen müsste. Voraussetzung: Im Anschluss soll ich mich als potenzieller Kunde in einem indischen Anzugmacherladen zeigen. Ich und Interesse für Krawatten und Jacketts heucheln? Na wenn das mal gut geht. Zwischenzeitlich spiele ich schon mit dem Gedanken, mich ganz aus dem Staub zu machen, doch nach dem mich der Fahrer so intensiv durch die Stadt geführt hat, spiele ich das Spiel einfach mal mit. Und verliere es. 10 Minuten meinte er, zehn Minuten soll ich Interesse heucheln. Doch dummerweise weiß ich gar nicht, was ich genau fragen soll. Oh, das ist aber ein sehr schönes Material! Haben Sie das auch in blau? Nein, so klappt das nicht. Außerdem komme ich bei so etwas ohnehin nicht glaubwürdig herüber. Mit meinem Scheitern im Bekleidungsartikelgeschäft hätte der Thailänder nun wirklich rechnen müssen. Es war sein Fehler! Ein ungeschultes Auge! Schlechtes Einschätzungsvermögen! Nun, das ganze endet mit einer wirren Fahrt durch die Straßen von Bangkok und am Ende gebe ich es auf, werfe ihm das volle Geld auf den Sitz und kehre zurück nach Sukhumvit.

Golden Mountain

Innenstadt von Bangkok

Liegender Buddha

Dort haben sich bereits neue Gäste einquartiert. Pennies Freund Chris hat Besuch aus Deutschland, der eine feucht-fröhliche Atmosphäre schafft, in der ich gerne bereit bin, mich weiter aufzuhalten. Abend für Abend gehen wir wieder neue Diskotheken ergründen. Es nimmt kein Ende und eigentlich bin ich für die Abreise überfällig. Nur noch wenige Tage und ich muss außer Landes. Das Visum läuft ab und der nächste Grenzstützpunkt befindet sich entweder in Kambodscha, wo ich nicht hin möchte – da ich ein Visum brauche. Oder im Süden von Myanmar. Kawthoung ist die einzige Stadt von Burma, die man ohne Visum und für eine Handvoll Dollar betreten kann. Hier soll meine Visaflucht vollzogen werden. Aber statt mich auf den Weg zu machen, lasse ich lieber die Tage in Bangkok verstreichen: bei Wein, Weib und Gesang. Und grünen Currypfannengerichten. Der absolute Höhepunkt ist sicherlich die Schnurbartparty. Das Konzept hinkt jedoch. Es sollen mit fluoreszierender Farbe Schnurbärte in die Gesichter der Gäste gemalt werden, die mit einfach nur schwarzer Farbe viel besser zur Geltung gekommen wären. Ich hebe mich dabei besonders hervor, indem ich die Farbe bunkere und einen jeden mit dem Pinsel konfrontiere. Die Gemälde sind von allergrößter Raffinesse. Wo endete der Abend eigentlich? Ich weiß es nicht mehr. Doch irgendwann war wieder Mittwoch und ich war erneut beim Couchsurfing Treffen zu Gast. In hübscher Begleitung immerhin, doch die bereits bekannten Gesichter, die mich danach fragten, warum ich immer noch nicht abgereist bin, dienten als Wink mit dem Zaunpfahl. Eine Woche schon. Doch warum nicht. Was folgte, war eine kurze Auszeit vom Bangkok Lotterleben – und eine überraschende Rückkehr. Man kann es manchmal eben einfach nicht lassen.

Curry Times: Zu Gast bei Jekky

Curry Times: Zu Gast bei Jekky

Couchsurfing Treffen

Couchsurfing Treffen - Angriff

Meine Facebook-Einträge jener Tage:

Bangkok!!!

Heute muss ich aus Bangkok raus!!!

Doch geblieben

Immer noch in Bangkok

Immer noch

Komm nicht weg

Weg aus Bangkok

Zurück in Bangkok


Bilder von der Schnurbart-Feier




Freitag, 10. September 2010

กรุงเทพ มหานคร อมรรัตนโกสินทร์ มหินทรายุธยามหาดิลกภพ นพรัตน์ราชธานี บุรีรมย์อุดมราชนิเวศน์มหาสถาน อมรพิมานอวตารสถิต สักกะทัตติยะวิษณุกรรมประสิทธิ์

(Krung thep mahanakhon amon rattanakosin mahinthara ayuthaya mahadilok phop noppharat ratchathani burirom udomratchaniwet mahasathan amon piman awatan sathit sakkathattiya witsanukam prasit)


Es wurde allmählich Zeit in Richtung Bangkok aufzubrechen. Der Archäologiepark in Sukhothai war alles in allem eher enttäuschend. Aber was erwartet man von dieser Teilzeithauptstadt des Siamreiches, wenn man den Kaiserpalast in Peking und Angkor Wat gesehen hat? Die geschätzten 10 Euro Eintritt waren es jedenfalls nicht wert, auch wenn einige eindrucksvolle Perspektiven auf Buddhastatuen geworfen werden konnten. Ungefähr zwanzig Mal kreiste ich mit dem Fahrrad – einer regelrechten Schrottlaube, die ich im Verleih bekommen habe – um das hermetisch abgeriegelte Gelände – immerzu auf der Suche nach Schwachstellen. Nachdem ich den ehemaligen Schutzwall von Sukhothai aus dem Mittelalter überwunden hatte, roch ich schließlich meine Chance. Herunter gedrückte Zaunelemente, eine Anhöhe – da wirft man doch kurzerhand das Rad hinüber, springt selber auf die andere Seite und schleicht sich dann unauffällig in die Ruinenlandschaft ein. Man verbringt den ganzen Tag dort und merkt, wie wenig beeindruckend das alles ist. Aber immerhin kann man sich von ein, zwei Ansichten nicht losreißen, bis einem diese Stimme im Kopf sagt: Abgang, ab nach Bangkok…in die Stadt mit dem längsten Ortsnamen der Welt.

Ja, da staunen einige wohl. Ist nicht dieses eigenartige Dorf in Wales der Ort mit dem längsten Namen und nicht Bangkok? Zählen wir mal nach: Bangkok – lächerliche sieben Buchstaben, Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch – 58. Lang sieht das auf jeden Fall aus, vor allem wenn man es auf zwei- bis dreizeiligen Ortsschildern liest.

Aber in einem Word-Dokument – nicht einmal eine Zeile. Das schlägt Bangkok locker, denn der allgemein bekannte Name ist a) nur die westliche Variante des Stadtnamens und b) ist auch die Thai-Version Krung Thep nur eine Abkürzung. Komplett ausgesprochen sieht der Name der thailändischen Hauptstadt so aus:

Krung Thep Mahanakhon Amon Rattanakosin Mahinthara Ayuthaya Mahadilok Phop Noppharat Ratchathani Burirom Udomratchaniwet Mahasathan Amon Piman Awatan Sathit Sakkathattiya Witsanukam Prasit



Wunderschön dreizeilig – und mit 168 Stellen dreimal so lang wie Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch – dafür aber mit Leerzeichen. Bedeutung:

Stadt der Engel, die große Stadt, die ewige Juwelenstadt, uneinnehmbare Stadt des Gottes Indra, mit neun kostbaren Edelsteinen ausgestattete große Hauptstadt der Welt, glückliche Stadt, die, reich an einem kolossalen königlichen Palast, die dem himmlischen Domizil gleicht, in dem der wiedergeborene Gott regiert, eine Stadt, geschenkt von Indra und gebaut von Vishnukarm
Poetisch ohne Ende – oder? Jedenfalls poetischer als Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch.

Und alles in allem auch ein klein wenig abgefahrener. Als ich in Bangkok ankam, wurden meine Erwartungen eins zu eins erfüllt. Was denkt man nämlich üblicherweise, wenn man an diese Riesenmetropole in Thailand denkt, die mit ihren Hochbahnen ein wenig Tokio zu kopieren scheint: junge Thaimädchen, alte Sextouristen, Prostitution, Ladyboys, Viagra, Valium. Und nichts anderes sehe ich auch, als ich aus dem Skytrain in Nana, Sukhumvit aussteige. Nana im Stadtteil Sukhumvit ist ein bisschen so etwas, wie die Vergnügungsmeile für sexhungrige alte Herren aus Europa und den USA. Und für mich die allererste Station in der Hauptstadt. Wie bin ich nur hier hingekommen?


Es begann alles mit einer kurzen E-Mail und einem Anruf bei Pennie, die ein Jahr zuvor ihren Abschied aus Berlin bekannt gegeben hatte. Quasi gleichzeitig hatten wir die Hauptstadt verlassen – ich brach nach Moskau auf, sie begab sich nach Bangkok, um dort für einen NGO zu arbeiten. Praktischerweise meldete ich mich sofort als Gast an. Mit einem Anruf vom Busbahnhof entfaltete sich mir auch allmählich die Lage ihres Hauses in der Stadt. Sukhumvit. Ein Taxi zur nächsten MRT oder BTS Station und dann geradewegs rein in diese Hölle aus Nutten und Viagraverkäufern. Und ich dachte die Sache mit den Ladyboys am anderen Flurende und den kleinen privaten Geschäften ihrer Nachbarin sei nur ein Scherz gewesen. Sobald man aber in Nana aussteigt, merkt man schnell, dass es alles kein Spaß ist und die Klischees erstaunlicherweise zutreffen. Auf dem Weg zum nächsten 7Eleven, wo wir uns treffen wollen, muss ich mich durch hunderte Stände drängen, die entweder Pornos, Viagra oder Valium verkaufen. Je weiter ich gehe, desto klischeeähnlicher wird es. Pennie’s Straße ist die Soi Nummer 4, auf der sich eine Ladyboys Bar an die andere reiht. Man macht sich mit der Zeit einen Spaß daraus, sich in irgendeinen Straßengrill zu setzen, Nudelsuppe zu schlürfen und in den Kneipen auf der gegenüberliegenden Straßenseite junge Thaimädchen mit stark ergrauten Herren aus Europa flirten zu sehen. Eindrucksvoll. Anders kann man es nicht beschreiben.

Bangkok präsentiert sich mir auf den ersten Blick als Metropole von Sex, Raubkopien und Ladyboys. Einigermaßen normal geht es immerhin beim Couchsurfing-Treffen in der Stadt zu, welches wir noch am selben Abend besuchen. Neue Gesichter – normale Thais. Ernst zu nehmende Thais. Ein weiteres Mal erlebt man, wie freundlich und zuvorkommend Thais im eigentlichen sind. Schon auf dem Weg nach Bangkok ist mir das immer wieder aufgefallen. Als ich in Sukhothai auf der Straße stehe, hält einer nach dem anderen an und fragt ob ich Hilfe brauche. Ob ich nicht wisse, wie man zum Busbahnhof kommt. Auf meinem Schild steht ja schließlich Krung Thep, also Bangkok, in Kurzform, und man nimmt allem Anschein nach an, dass ich einfach keine Ahnung habe, wie man in einen Bus einsteigt. Kurzerhand hält ein Fahrer an und überreicht mir ungefragt ein Busticket: VIP in die Hauptstadt. Alles schon bezahlt – in zehn Minuten geht es los. Und dann fährt er mich auch noch direkt bis zum Bus. Als ich die Geschichte in der kleinen Bar in Bangkok herumerzähle, staunen einige, andere meinen, dass es Gang und Gäbe wäre. Womöglich ist es das. Mindestens eine Person erscheint mir ähnlich zuvorkommend an diesem ersten Abend in Bangkok. Ein Thaimädchen, welches anscheinend schon einen gewissen Status innerhalb der Community zu genießen scheint. Sie betreibt eine Art Treffpunkt für Reisende am Stadtrand, der erstaunlich gut besucht ist. Nach einem kurzen Gespräch mit ihr zieht es mich aber mit einem Deutschen aus München in den nächstbesten Club der Stadt – ohne zu wissen, dass ich schon am darauffolgenden Abend zusammen mit einer ganzen Menge an Leuten auf ihrer Couch sitzen und ihre grünen Currykreationen essen würde.

Dienstag, 7. September 2010

Suck-o-Thai, Bang-Cock, Cum-Porn, Phuck-it!!! Ein Sexpat in Südostasien.



Seit Tagen kann ich mich nur kaputtlachen, wenn ich mir die Städtenamen auf der thailändischen Landkarte ansehe. Jedem zweiten kann man irgendeine englische Doppelbedeutung zuweisen, die sich in der Regel unterhalb der Gürtellinie befindet: Bang-Cock ist gemeinhin der Klassiker, aber auch das an sich recht zügellose Phuket, dessen H gar nicht betont wird, als Phuck-it! Auszusprechen, wird immer beliebter – und ist, wenn man sich die Tourismusindustrie des Badeortes ansieht, wohl gar nicht mal so unberechtigt. Weniger bekannt, doch irgendwie auffallend auf der Landkarte ist der Ort Cumporn – ja, was soll man dazu noch sagen. Er befindet sich von Bangkok ausgehend auf halbem Weg nach Surat Thani und genau dort steigt man ab, wenn man entweder auf die Insel Ko Tao möchte oder an die Westküste wechseln will – Drehkreuz.

Dann wäre da noch Sukhothai – welches ich natürlich gerne als Suck-o-Thai bezeichne. Die Stadt war einst das Zentrum des Siamreiches. Nicht ganz so prestigereich wie Ayutthaya vielleicht, welches Siam über fast vier Jahrhunderte lang beherrscht hatte und heute eine riesige archäologische Fundgrube ist – aber immerhin. Auch in Sukhothai gibt es einen gewaltigen Geschichtspark, der die alten Tempel und Gebetsanrichtungen ausstellt. Und bevor ich denn letztlich nach Bangkok aufbreche und mir diese Wahnsinnsmetropole antue, kommt mir der Gedanke, erst einmal hier Halt zu machen. Den Namen der Stadt suche ich mir extra in Thai heraus. Filigran, mit ruhiger Hand werden die mir unbekannten Schriftzeichen auf das Stück Pappe gemalt. Der Effekt soll sein, dass die Thais in den Autos überrascht davon sind, dass ein Ausländer ihre Sprache kann. Die Aufmerksamkeit ist mir somit gewiss. Problem ist nur, dass jeder zweite mir bei der Suche nach dem Busbahnhof helfen möchte, anstatt mich einfach mitzunehmen. Doch irgendwann klappt es auf diesem in der sengenden Sonne schmelzenden Asphalt.

Meine Aussage, dass ich aus Deutschland komme, wird sofort in meiner Landessprache beantwortet. Ein älterer Herr, ergraut, um die 60, gibt Auskunft über sein Leben. Ein schüchternes Thaimädchen, höchstens Mitte 30 schweigt und hört unserem Gespräch zu. Der Kerl ist der Prototyp eines klassischen (S)Expats, wie sie in Thailand in Massen herumlaufen. Irgendwann hatte er wohl die Idee gehabt sich lieber eine dieser leichten, jungen, an Geld interessierten Dinger aus Südostasien zu angeln, hat sich einen Flug gebucht und ist für immer hier geblieben. Zehn Jahre lebe er schon im Norden von Thailand. Er war gerade in Chiang Mai, weil sich hier das einzige Krankenhaus befindet, welches ihn mit lebenswichtigen Medikamenten versorgen kann. Welche geheimnisvolle Krankheit er hat, wird nicht wirklich klar. Krankenversichert ist er jedenfalls über das US-Militär, was seiner Lebensgeschichte eine weitere Wendung gibt. Okay, was macht nun ein Deutscher im US-Militär? Also von Anfang an: Heimatstadt Berlin, Ost-Berlin. Mutter lernt, nachdem der Vater verschwunden ist, eine amerikanischen Soldaten kennen, und bevor Ulbricht die Grenze zumacht, hauen die beiden in die Staaten ab. Die Kinder kommen selbstverständlich mit und so lernt der heutige (S)expat Englisch und ein anderes Land kennen. Wer seit dem zehnten Lebensjahr in den USA lebt, der sieht die Staaten als sein Heimatland an. Deutsch wird der Tradition wegen weiterpraktiziert und schon zehn Jahre nach der Ankunft geht es wieder raus aus dem Land.

Die Marines fliegen ihn als jungen Soldaten nach Vietnam. Ich habe also einen Veteranen vor mir. Und der erzählt, wie so manche Kämpfe mit dem Vietcong vonstatten gegangen sind, in einer Zeit, als die Nordarmee bereits weite Teile des Südens erobert hatte, die Tet-Offensive bereits erfolgreich durchgeführt wurde und der Fall von Saigon nur noch eine Frage der Zeit war. Verwundung. Kriegsleiden. Die mysteriöse Krankheit scheint aus dieser Zeit zu stammen. Deshalb bezahlt auch das Militär. Seine Rückkehr nach Südostasien gibt er als Form von Wiedergutmachung aus. Als Amerikaner sieht er sich schon lange nicht mehr. Stattdessen baut er ein Veteranennetzwerk für vietnamesische Soldaten in Thailand aus und verdient sein Geld hauptsächlich mit Exportgeschäften. In der Tat eine lohnenswerte Sache. Ich persönlich würde rote Thaihosen in Tonnen nach Deutschland verschiffen und sie für den dreifachen Preis verkaufen. Wie unfassbar billig die Textilien auf den Thaimärkten sind, lässt einem fast das Gesicht einschlafen. Dabei kommt die Hälfte davon aus Indonesien, wo alles noch einmal ein gutes Stück billiger ist.

Er habe zu viel Geld, meint der Mann. Die ganzen Geschäfte, die Rente, Veteranenzahlungen – ach, wenn die Gesundheit doch nur mitspielen würde. Die Frau kichert. Wenigstens habe er sich ein entzückendes Mädchen genommen, welches für ihn das Geld ausgibt. Sie kichert wieder. So sehe ich das auch. Diese klassische Kombination alternder Ausländern (ach, Farang nennt man die hier) und jugendlicher Thaimädchen ist schon so eine Sache. Liebe? Geld? Eine einvernehmliche Abmachung? Irgendwie scheinen beide Seiten ihre Vorteile zu haben und die Thaimädchen wirken überglücklich über die vielen Banknoten, die sie aus dem Fenster werfen können. Dennoch wirkt das alles ein wenig komisch. Thailand ist bekanntermaßen das Vergnügungsland für Pensionäre schlechthin. Und selbstverständlich runzel ich bei jeder Liebeskundgabe der beiden vor mir zweifelnd die Stirn, halte mich aber zurück irgendwie meine Meinung darüber zu äußern – denn sie fahren mich ja immerhin fast nach Sukhothai. Auf dem Weg gibt man mir sogar noch Essen und dann geht es zurück auf die Straße. Die Zeit drängt, sagen sie. Die Kinder müssen von der Schule abgeholt werden. Ich bin wieder auf mich allein gestellt.

An einer Straßenkreuzung bei Tak finde ich schnell eine geeignete Weiterfahrt. Das dumme an Sukhothai ist, dass es so vollkommen abseits der üblichen Verkehrsrouten liegt. Alles führt um Sukhothai herum, aber nicht hinein. Ein Koch, der mit seiner Freundin unterwegs ist, fährt mich direkt in den bewohnbaren Teil der Stadt. Trotz eines ausgezeichneten Nachtmarktes – Reminiszenzen an kambodschanische Dörflichkeit und staubbedeckte Straßen. Zu allem Unglück gibt es nicht einmal mehr die Herberge, in der ich für 90 Baht absteigen wollte. Doch Thais sind zuvorkommend. Wir fahren einige Male in der Gegend herum, bis mich der Fahrer geradeheraus zu Bier und Internet einlädt. Die kleine Kneipe am Flussufer gehört seinem besten Freund, der bereitwillig den WLAN-Code herausgibt. Ausgezeichnet – jetzt kann ich hier jeden Tag hinkommen. Nach dem zweiten Bier lässt sich auch irgendwie so etwas wie eine Unterkunft finden. Es ist im Prinzip dieselbe wie vorher, nur dass der ehemalige Besitzer auf unbekannte Weise vom Leben zum Tode gebracht wurde und ein neuer Eigentümer sich einen völlig neuen Namen erdacht hat. Der Fahrer, welcher mich nun schon gut zwei Stunden in Sukhothai begleitet, verhandelt sogar noch mit dem Dienstpersonal bezüglich meiner Bleibe. Das Beste ist es nicht. Wackliges Wellblech umhüllt den eher nach einer Garage aussehenden Anbau im Hinterhof, doch immerhin – für zwei Nächte reicht es. Zudem stehen mir Internet und Biervorräte zur Verfügung. Mit einer ebenfalls hier untergekommenen Gruppe an Engländern/Engländerinnen – und einer im Speziellen – plündere ich diese noch am selben Abend. Der Nachtmarkt versorgt uns mit Pad Thai und am nächsten Tag wird Archäologie betrieben.


Ein paar Bilder von Sukhothai



Montag, 6. September 2010

Rothemden bei 7-Eleven

Leider gehöre ich zu der Sorte Mensch, die bei 7-Eleven immer wieder denselben Fehler begeht. Für diejenigen, die es nicht wissen: 7-Eleven ist einer der wichtigsten Kioskmärkte in Asien. Nicht zu groß, nicht zu klein – auf keinen Fall ein Supermarkt, aber eben an jeder Ecke präsent. Hier geht man hin, um sich einen flotten Imbiss oder Bier für den Abend zu holen. Frühstück wird ebenso verkauft und in Japan, wo das Unternehmen angesiedelt ist, liegen gleich neben dem Süßwarenregal die gezeichneten Mangapornos in Telefonbuchgröße aus. Thailand ist was das angeht konservativer. Nur gesittete Produkte werden hier angeboten. 7-Eleven ist allgegenwärtig. Kein Straßenzug, auf welchem man die Ladenkette nicht finden kann. Die Taktik scheint es einfach nur zu sein, so viele Shops wie möglich aufzumachen, um den Kunden gar keine andere Wahl zu lassen, als hier einkaufen zu gehen. Einen 7-Eleven-Club gibt es leider noch nicht. Die Idee wäre für Großstädte wie Bangkok jedoch profitabel. Shop und Tanzeinrichtung in einem. Was für ein Traum.


7-Eleven


...und noch einer


...sehen alle gleich aus

Aber um auf meinen Fehler zurückzukommen. Nun gibt es bei 7-Eleven auch die so genannten Slurps, so eine Mischung zwischen Eis und Getränk. Neben der Maschine, welche die Slurps ausschenkt befinden sich weitere Produkte: Eiskaffee, Cola und was weiß ich nicht. Nun treten manche Menschen an diese Maschinen heran, füllen sich den Becher fast randvoll mit einem Produkt ihrer Wahl und merken dann plötzlich: Hallo, in der Mitte ist ja noch der Eiswürfelausschank. Verdammt, eigentlich hätte ich die Eiswürfel vorher hineinwerfen sollen, doch was soll’s. Das Ergebnis ist doch dasselbe und es kommt überhaupt nicht auf die Reihenfolge an. Ein fataler Irrtum. Schnell merkt man: doch, es kommt sowas wie darauf an. Die Eiswürfel feuern mit geschätzten 200 Stundenkilometern aus der Eiswürfelzubereitungsmaschine, verdrängen mit ihrer Wucht sofort den Becherinhalt und dieser wiederum fliegt dem Kunden um die Ohren. Da haben wir also erneut den Salat. Als hätte man sich nicht schon oft genug die Slurps und Kaffeespezialitäten über die edle rote Thaihose, die Hose, von der alle begeistert sind und vor der sich die Menge auf den Boden wirft – sie als religiöses Symbol anhimmelt. Als wüsste man nicht, was passieren würde. Als hätte man keine Vorahnung. Man begeht den Fehler wieder und wieder. Zuletzt habe ich mir also in Chiang Mai eine gewaltige Ladung irgendwelcher milchigen Zuckergetränke über den Latz gekippt. Dabei hatte ich nicht einmal Durst. Nur Zeitvertreib, während ich auf eine Gruppe von Thailänderinnen wartete, die mich durch die Stadt führen wollten. Und die schauen dann erst, als sie mich mit dieser mit hellen Flecken gemusterten Hose sehen. Eigentlich hätten sie sagen sollen: wow, was für eine tolle Hose. Du bist unser Held, unser Guru. Doch nein. Stattdessen: was ist denn da passiert? Bist du etwa auch so ein 7-Eleven-Neuling? Nein verdammt, bin ich nicht. Ich kann es mir nur einfach nicht abgewöhnen, die Eiswürfel im Anschluss an das Getränk in den Becher zu tun.


Slurpees

Aber ich bin ja nicht der einzige. In Massen laufen sie hier durch die Straßen. All diese Touristen, mit unterschiedlichen Getränkearten auf ihren Beinkleidern. Unauffällig schlürfen sie weiter an ihren Strohhalmen und machen so, als ob nichts passiert sei. Aber doch, sie haben denselben Fehler wie ich begangen. Und so müssen sie sich mit eingesauten Sachen die großen Tempel der Stadt anschauen. Gut, dass diese so eindrucksvoll und gülden sind, dass man kaum auf die Passanten schaut. Und die Mönche interessiert es sowieso nicht. Dennoch war es mir etwas unangenehm mit diesem Outfit zum Mönchsgespräch zu gehen. Also schlich ich lieber umher, schaute aus der Ferne zu, wie die Mönche Ratschläge erteilen und flüchtete in den Meditationsraum. So viel Gold, ach nein. Und ein lebendiger Mönch, der sich seit Jahren nicht mehr bewegt zu haben scheint. Ich schleiche um diesen festgewachsenen Gebetsbruder herum und frage mich, ob es okay ist Fotos zu machen. Später merke ich, dass es sich doch nur um eine Statue aus Wachs handelt. Nach einer Stunde des Umkreisens: Neurose in Reinform. In den anderen Tempeln ähnliche Verwirrung. Chiang Mai kann sowieso als buddhistische Hochburg bezeichnet werden. So viele Tempel wie hier, findet man kaum in anderen thailändischen Städten.


Tempel


Tempel


Tempel


Tempel


Tempel

Hochburg ist der Ort außerdem: für die Rothemden. Man berichtet mir ausführlich von den Aufständen im vergangenen Frühjahr. Noch einige Monate zuvor kam es zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Demonstranten. Es roch zumindest für die westliche Berichterstattung gewaltig nach Umsturz. 91 Tote, 2000 Verletzte, ein Jahr zuvor hatten die nationalistischen Gelbhemden ähnlich spektakulär den Bangkoker Flughafen besetzt. Randale gab es im Frühjahr auch in Chiang Mai, wobei der Großteil der Bevölkerung die Rothemdenbewegung unterstützte. Diese will den sozial ausgerichteten Ex-Premier Thaksin Shinawatra wieder im Amt sehen, der 2006 durch einen seichten Militärputsch aus seiner Position verbannt wurde. In Thailand drohen ihm zwei Jahre Haft.


Rothemden


Gelbhemden

In Chiang Mai ist nur noch wenig von Aufständen oder roten Hemden zu sehen. Einzig und allein meine mit 7Eleven-Getränken verzierte rote Hose leuchtet in der Nacht, als der berühmte Nachtmarkt aufmacht. Ein einziges Volksfest ist das – und so geht es in Chiang Mai an jedem Wochenende zu. Die wichtigsten Straßenzüge im quadratischen Zentrum werden komplett geschlossen und von Händlern und Musikern in Beschlag genommen. Bei dem Gewimmel kommt man teilweise kaum vom einen Ende zum Anderen. Zwangsläufig muss man an jedem zweiten Stand stehenbleiben und sich die Handarbeiten oder wesentlich besser, die Thaispeisen ansehen – und essen. In dem ganzen Durcheinander laufen natürlich zigtausend Ausländer umher. Chiang Mai hat sich ganz groß der Tourismusindustrie verschrieben – die boomt hier gewaltig. Jedes zweite Lokal bietet europäisches oder amerikanisches Frühstück an. Und alle rühmen sich einer Erwähnung im Lonely Planet. Alles erstunken und erlogen, aber solange es bei den Gästen zieht. Die Zahl der Urlauber ist aber seit Frühjahr 2010 erheblich gesunken. Grund sind besagte Rothemden, was die Einheimischen, die im Wesentlichen von der Tourismusbranche leben, reichlich ungemütlich stimmt. Natürlich ist alles gar nicht so dramatisch, wie es in den westlichen Medien dargestellt wird. Dennoch lassen sich die Reisenden verschrecken. Letztlich erreicht die Rothemdenbewegung somit genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich wollte. Statt Wohlstand und sozialer Sicherheit, mehr Demokratie ja auch noch, na klar – massive Einbußen im regionalen Handel. Die Bewohner von Chiang Mai beginnen die Rothemden daher auch immer mehr als jene ungeschickten Leute wahrzunehmen, die zu 7-Eleven gehen und dort erst das Getränk, dann die Eiswürfel in den Becher schütten. Und je öfter sie das tun, desto weißer werden ihre roten Hemden: mehr und mehr Thais suchen sich inzwischen eine politische Orientierung zwischen rot und gelb. Irgendwas Neutrales. Irgendwas in der Mitte. Farblos als Alternative. Kurzum, die Bewegung verliert allmählich an Kraft und die Regierung bleibt und bleibt im Amt. Löcher entstehen. Auflösung. Bis es wieder einen Neuaufbau gibt. Ich gehe an diesem Abend früh ins Bett. Die ebenfalls roten Massentaxis werden nach 22 Uhr zahlenmäßig so unfassbar gering, dass man früh zu Hause sein möchte. Und dann wollen ja schließlich noch die Hosen gewaschen werden. Auf dem Rückweg war mir dasselbe Ungeschick noch einmal unterlaufen. 7-Eleven, Kaffee, wenigstens sehen die Flecken jetzt noch variantenreicher aus. Auf dass die rote Hose in Bangkok wieder strahlt.


Nachtmarkt am Wochenende

P. S.: Habe gerade mal gegoogelt, ob das Problem mit den Eiswürfeln bei 7-Eleven noch jemandem bekannt ist. Verdammt, ich scheine doch der einzige zu sein, dem so etwas passiert. Außer natürlich, die Dunkelziffer ist erheblich höher. In diesem Fall hoffe ich, dass mein Blogeintrag dazu beiträgt, mehr Betroffenen Mut zu machen, um endlich an die Öffentlichkeit treten und darüber sprechen zu können.

Samstag, 4. September 2010

Abgeschleppt

Die Nacht war wahrscheinlich genauso wacklig, zerrüttet, gerüttelt, hucklig, holprig, schlaflos, verdreht, verquer, schief und krumm und ungemütlich vorübergegangen, wie all die anderen Busfahrten in Laos zuvor. Und immer, ja immer wacht man urplötzlich aus einem stundenlangen Dornröschenschlaf auf und wundert sich wo man ist, versucht es anhand von Straßenschildern und verdeckten Hinweisen ausfindig zu machen, hofft, dass man bloß nicht schon angekommen ist – man muss sich schließlich von der Schlafverpeilung erholen, mal klarkommen! – und fährt im nächsten Moment in den Busbahnhof ein, denkt sich nur: Mist. Sammelt alles hektisch zusammen, sucht, wo man seine Sachen verstreut hat. Findet einiges – auch einen vietnamesischen Hut, auf den sich allem Anschein nach ein amerikanischer Tourist gesetzt und von ihm nichts weiter als eine flache Scheibe, einen Stroh-Frisbee übriggelassen hat. Man hat alles, packt es, stopft es in den Rucksack, klemmt Dinge unter den Arm und stürmt los. Beim Verlassen des Busses reißt zu allem Unglück noch die einzige Schnur, welche diese verdammten Flip-Flop-Badelatschen zusammenhält – weiter muss es barfuß gehen. In Thailand kann man sich ja immer noch neue Schuhe kaufen.

Doch dann merkt man erst einmal, wie ungewohnt es ist, ohne Schuhe zu laufen. Wie wenig zähe Hornhaut voller schuhsohlenartiger Ledrigkeit man doch hat. Es wird eine Humpelpartie. Beim Blick ins Portemonnaie wird einem auch nicht besser. Noch 10.000 Kip – die laotische Währung. Ja, wenn da mal kein Fluss zwischen Laos und Thailand wäre, würde das alles gar kein Problem darstellen. Man könnte sich in dieses Tuk-Tuk setzen und sich von fachmännisch ausgebildeten Tuk-Tuk-Fahrern bis nach Thailand kutschieren lassen, was auch nur 10 Minuten dauern würde, doch nein, nein, nein…man braucht das Geld ja für die Fähre. Für ein wackliges Langboot, welches bei jeder Welle zu kentern droht. Und Entfernungen unterschätzt man sowieso. Eine grobe Richtung wird ausgemacht. Aber wo keine Wahl ist, naja. Kiesel drücken sich in Fußsohlen, der raue Asphalt kratzt alles auf – er stört. Man ist drauf und dran sich auf den nächstbesten Passanten zu stürzen, zu sagen Hände, nein Füße hoch!!! Ihm die Badelatschen zu entwenden und dann das Weite zu suchen. Man ist kurz davor…doch Asiaten haben ja bekanntlich kleine Füße. Und bevor man die richtige Person gefunden hat, geschweige denn anhand eines kurzen herunter lunschenden Blickes die Schuhgröße einschätzen könnte, lässt man es lieber sein. Man will ja nicht unnötig etwas riskieren. Vielleicht noch aufgrund eines Schuhdiebstahls, der es gar nicht wert gewesen war, in ein laotisches Gefängnis kommen. Wenn schon Gefängnis, dann wenigstens aufgrund von Geschlechtsverkehr mit Laotinnen: das ist nämlich für Ausländer strikt verboten – man will ja nicht Thailand werden. Und mit diesen Flausen im Kopf quält man sich die eine Stunde bis zum Flussufer, blickt dann voller Erhabenheit nach Thailand hinüber und denkt sich so: da ist es, das Land von Prostitution und Kinderhandel. Das denkt man sich natürlich nur, weil man in seinem Hirn die üblichen Klischees karikieren will. Doch Thaikultur ist so viel mehr als das, was man an den Stränden von Phuket und Pattaya mitbekommt. Zentren touristischer Oberflächlichkeit: kultureller Tiefgang maximal in Form von Thai-Massagen mit oder ohne Happy Ending.


ach, das potenzielle Tuk Tuk

Der Blick ist vollendet, das Ziel vor Augen. Hinunter zum Fährhafen, mit den letzten Groschen erhält man ein Ticket, man stempelt seinen Pass ab, ab dafür, auf damit…Sprung in den Kahn und hinüber geschippert. Jetzt kommt die Gemeinheit. Unverfrorenheit. Stempeln die Thais einem doch einen Stempel hinein, der nur vierzehn Tage gültig ist. Wenn man einfliegt, darf man satte dreißig Tage bleiben. Geht man auf die thailändische Botschaft, erhält man ohne Zutun, ohne Zahlung 90 Tage. Deswegen auch der ganze Visa-Run-Tourismus. In Massen kommen sie aus Thailand nach Vientiane, überqueren die Freundschaftsbrücke, beantragen sich die Aufenthaltsgenehmigung, dröhnen sich in Vang Vieng mit Opium zu und schleichen dann vollkommen fertig zurück nach Thailand. Nun, ich kann das auch machen, falls ich denn plane länger zu bleiben. Aber bisher sollten zwei Wochen ausreichend sein. Was gibt es denn schon in Thailand außer Touristen zu sehen – sagt man sich.

Überraschung. Schnell erkennt man, wer der wirtschaftliche Hegemon in Südostasien ist. Na klar, Thais beschweren sich, dass es hier bald genauso wird, wie in Myanmar. Das Militär habe zu viel Macht (hat es auch). Die Regierung ist der Armee vollkommen ergeben (ist sie auch). Der König ist eine Instanz (ebenfalls richtig – jeden Tag um 18 Uhr wird die Hymne des Königs an allen öffentlichen Plätzen gespielt: Thais stehen auf, bleiben einen Moment lang ruhig stehen – Ausländer wundern sich: ein Flash Mob? Nein: Thaikultur). Der König ist über 80 (fragt sich was passiert, wenn der mal nicht mehr ist – Militärputsch?). Rothemden: genau, die gibt es ja auch. Nein, nicht die Garibaldi-Leute. Eine kommunistisch angehauchte Bewegung, die nicht nur auf positive Resonanz in der Bevölkerung stößt. Die machen Stress, wird eher angenommen. Und das machen sie auch. Bangkok im Ausnahmezustand. Angesichts dessen was BBC berichtet zumindest. Schon bevor ich die Reise geplant hatte, war meine Sorge groß, dass die Revolution ausbricht, Tote, Blutströme, Panzer, Maschinengewehre. Internet relativiert aber. Von wegen freie Medien im Westen. Das Ausmaß der Ausschreitungen, welches BBC & Co. zeigten, war vollkommen an den Haaren herbeigezogen – ohne jede Substanz. Aus einer verbarrikadierten Straße im Finanzviertel Bangkoks wird auf einmal die landesweite Revolte mit unaufhaltbarem Blutvergießen. Wer dieser Tage in Thailand war, wundert sich nur, wo die BBC diese Theatralik hernimmt: aus Verkaufszahlen – Konsumismus – Infotainment!


Rothemden

Wirtschaftlicher Hegemon, wie gesagt. Man sieht Straßen, die echten Straßen gleichen. Lochloser Asphalt. Gute Infrastruktur und vollkommen ausgeglichene Menschen. Niemand, der auf einen einstürzt, um einem das Geld aus der Tasche zu ziehen. Der solide wirtschaftliche Rückhalt bietet dazu keinen Anlass. Die Stadt in der ich bin heißt Chiang Khong. Nett am Mekong gelegen. Das goldene Dreieck nur wenige Kilometer entfernt. Ich träume davon, hinzufahren, verwerfe aber den Plan aus welchen Gründen auch immer. Das goldene Dreieck: bekannt für zwei Sachen – Malaria und Opium. Es ist das Anbaugebiet für Schlafmohn überhaupt. Sowohl auf laotischer, als auch auf burmesischer Seite. Zudem ein fast ungesichertes Grenzgebiet. Human trafficking ist hier Standard. Viele, die von Myanmar und Laos illegal nach Thailand wollen und es auch mühelos schaffen. Dazu die wunderschöne Sicht. Von den Bergkuppen hinab auf den Grenzfluss – den Mekong. Hier bzw. einige Kilometer südlich trennen sich unsere Wege. Mekong goodbye – Thailand ich komme.


Die Strecke: Chiang Khong, weiter oben das Goldene Dreieck, Chiang Rai, Chiang Mai


Ein paar Baht, ein bisschen Pad Thai. Pad Thai ist das, was wir hier als Chinanudeln kennen – nur sehr viel besser und billiger. Und überhaupt ist das ja das Essen Asiens. Und das, was man sich hier ständig zuführt – gerade wenn man sparsam reisen will:


Pad Thai

Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Reis
Nudeln
Gebraten
Gekocht
Gebraten
Gekocht
Gebraten
Gekocht
Gebraten
Gekocht
Gebraten
Gekocht

Wenn das nicht die ultimative Abwechslung ist. Natürlich schmeckt es in den Garküchen auf der Straße super, aber auf die Dauer wird es mit gebratenem Reis, Nudelsuppe, Reissuppe und gebratenen Nudeln doch etwas langweilig. Die Handbewegung, mit der man einen Löffel Chili, einen Löffel Zucker und ein paar Spritzer Fischsauce – wahlweise noch etwas Zitronensaft auf oder in das Gericht gibt, wird mit zunehmender Aufenthaltsdauer nicht nur zur Routine, sondern gleich zur Zwangsstörung. Selbst wenn kein Essen dasteht, möchte man streuen und schütten. Eine Handlung, die einfach zu oft vorkommt, als das man sie aus dem Kopf bekommt. Und hier fängt die Neurose an – Thaineurose. Wo will ich hin? Chiang Mai! Endziel. Irgendwie. Oder sagen wir so: ich habe eine Übernachtung dort und die Stadt ist das kulturelle Zentrum des thailändischen Nordens. Weiter nördlich gibt es noch Pai – ein Dorf, ein Hippiedorf. Doch ich sehe mich nicht in der zeitlichen Lage, es zu besuchen. Es soll verrückt sein – wie Vang Vieng. Chiang Rai, auf halbem Weg, wäre eine Alternative, die sich an mein Zelt koppeln würde. Die erste Fahrt, die ich, als ich im Flimmerlicht der aufgeheizten Straßenbelege meinen Daumen heraushalte, bekomme, führt mich genau dort hin. Thais verstehen nur leider das Prinzip des Trampens nicht. Sie lassen mich am Busbahnhof heraus. Es ist Mittag. Ich denke mir, verdammt…bis nach Chiang Mai kann ich es locker schaffen.


Zubehör: Chili, Zucker, Fischsauce

Noch immer keine Schuhe. Ich humpel zurück zur Fernverkehrsstraße, welche hoffentlich – und das ist nur eine Vermutung – nach Chiang Mai führt. Daumen raus. Niemand hält. Eine Stunde später – quietschende Reifen. Pick-up – fünf kichernde thailändische Mädchen: Spring hinten drauf, du Westeuropäer. Und so wurde ich schlicht und ergreifend abgeschleppt. Genau das sind die Momente, wo man sich sagt: YES!!! Genau so war es geplant!!! Abenteuer!!! Wie im Film!!! Ich sitze hinten auf dem Abschleppwagen, Faulenze in der Sonne, lese ein Buch und verbrenne mir die Birne dabei (ein Königreich für einen Hut). Der Wunsch erfüllt sich. Die schüchtern durch die Heckscheibe schielenden Thaigirls reichen mir eine Kappe herüber – D&G, zwar etwas prollig, aber was soll‘s. A) Sonnenschutz ist Sonnenschutz, B) das Ding ist sowieso gefälscht. Um genau zu sein: in Südostasien wird man dafür ausgelacht, Originale zu kaufen. Marke: wie dumm bist du denn? Die Kopie sieht doch genauso aus und jeder hat sie. Wozu gibst du unnötiges Geld aus? Die Kappe hilft jedenfalls, besonders als die Sonne im eigentlichen Sinne verschwindet. Verdammt, was für eine lange Fahrt. Dämmerung. Ich habe keine Ahnung, wie ich zu meinen Gastgebern kommen soll.


abgeschleppt


abgeschleppt


abgeschleppt

Die beiden sind aus Russland. Journalisten. Lehren an der Universität von Chiang Mai. Der einzige Hinweis, den ich bekomme ist: Wat Umong – ein buddhistischer Tempel in der Nähe. Dann grobe Wegbeschreibungen und die Bitte, dass ich nicht anrufen soll und noch viel wichtiger, keinem Thailänder die Nummer oder die Adresse der beiden geben soll. Was ich davon halte? Nun ja, Russen halt!?! Dumm nur, dass ich dem Tuk-Tuk somit keine genaue Adresse geben kann. Zuvor versuche ich sogar, bei den fünf Mädchen unterzukommen. Eine, die bemerkt hatte, dass ich keine Ahnung habe, wo ich hin muss, nimmt mich sofort mit nach Hause. Ich kann von hier anrufen, was Rüffel von den Russen gibt. Ungenaue Wegbeschreibungen – mal wieder. Ich verlasse ein Tuk-Tuk am Wat Umong und habe mal wieder keine Idee wohin. Die Information stünde in einer E-Mail, sagen die Russen. Zurück. Drei Kilometer zurück, um ein Internetcafe zu finden. Dunkelheit. Buddhisten. Wirre Straßen. Nachfragen. Wo zum Teufel ist dieses Haus? Essenfassen: Pad Thai. Weitersuchen. Finden. Das Tor steht hoffen, haben sie gesagt. Das Gartenhaus – offen, haben sie gesagt. Alles wahr, alles richtig. Ich fühle mich wie ein Landstreicher, der irgendeiner Familie Haus besetzt. Und erschöpft breche ich denn auch auf einem improvisierten Bett zusammen. Am nächsten Tag sagen sie, man hätte mich gesehen. Öhöhöhöhöhöhö…vollkommen fertig, alle Gliedmaßen ausgestreckt, abwesend. Da will man nicht stören. Am nächsten Morgen unterhalten wir uns über Pelevin‘s „Gelben Pfeil“, während man mir ein paar überflüssiger Badelatschen als Willkommensgeschenk reicht.

Donnerstag, 2. September 2010

Spidermen

Eigenartige Dinge gehen vor, wenn man in einem laotischen Bus sitzt. Wenn er sich von der Hauptstadt, über die Bergserpentinen in den unzugänglichen Norden schlängelt, hält er aller fünf Minuten an, um unförmige Gegenstände zweifelhafter Herkunft mitzunehmen, die Passagiere geben seltsame, Tüten füllende Geräusche von sich und das Servicepersonal springt aus dem Fenster. Dass man in laotischen Bussen schlecht schlafen kann, steht außer Frage. Ich dränge mich mit drei israelischen Schönheiten und Tonnen verpackter Güter auf die Rückbank. Ruckende Bewegungen. In einem Dorf werden Kühlschränke auf das Dach des Busses gehoben und provisorisch angebunden. Das Besatzungspersonal klettert was das Zeug hält. Springt auf dem Bus hin und her und scheint die Geräte irgendwann festgezurrt zu haben. Im nächsten Dorf werden verdächtige Stangen quer durch den Passagierraum getragen. Wie Schranken liegen sie zwischen den hinteren Sitzbänken und den vorderen Reihen. Limbo tanzend muss man sich hindurch quälen, wenn es auf halber Strecke endlich zu einer Mittagspause geht. Standardspeisen: Reis und Nudeln, Fischsauce und Vogelaugenchili. Am Nachbartisch die Entgegenreisenden auf dem Trail. Von Luang Prabang erzählen sie beunruhigende Geschichten. Ein deutsches Pärchen berichtet, dass es in Vientiane gleich zur Deutschen Botschaft muss. Scam-News: der Klassiker in Luang Prabang ist es, sich nachts von hinten mit dem Motorrad an Touristen anzuschleichen, mit der einen Hand nach Umhängetaschen zu greifen und mit der anderen die Träger durchzuschneiden. Den beiden Deutschen sei genau das auf dem berühmten Nachtmarkt passiert. Deshalb sind sie auf dem Weg zur Botschaft. Und die Methode landet in meinem Notizbuch.

Weiter geht’s. Allmählich wird es Nacht. Dämmerung. Gespräche mit den Israelis, die ich für einen Augenblick mal wieder für französische Holländer oder holländische Franzosen halte. Und dann plötzlich tippt mich das eine Mädchen Aufmerksamkeit erhaschen wollend an: schau da, sie springen massenweise aus den Fenstern. Während sich der Bus auf holprigem Asphalt, wenn es überhaupt Asphalt ist, auf dem wir fahren, die Serpentinen hinauf quält, öffnet der erste Busbegleiter das Fenster, lehnt sich hinaus, pappt den blanken Fuß gegen die Scheibe und klettert spinnengleich nach oben. Der nächste reicht Decken und Kissen hinterher und folgt seinem Vorgänger. Schlafen die etwa da oben? Auf jeden Fall. Womöglich schnüren sie sich nicht einmal fest dabei, wenn der Bus gerade den gefährlichsten Abschnitt der Strecke hinter sich lässt. Erst kurz vor der Ankunft am Busbahnhof von Luang Prabang klettern die Gesellen wieder zurück in den Passagierbereich. Fast 22 Uhr. Ich hoffe zusammen mit den Israelis noch eine Unterkunft zu bekommen, doch die machen sich gleich auf in die erstbeste Herberge. Dabei wissen Tuk-Tuk-Fahrer mehr. Empfohlen wird mir das Spicy, Backpacker Hotel, nur ein Dollar pro Nacht und Gratis-Wi-Fi. Zehn Minuten Fußmarsch entfernt befindet man sich bereits am traditionellen Nachtmarkt, auf dem Hausfrauen potenzsteigernden Lao Lao Schnaps mit Cobraköpfen verkaufen. Man stößt auf Bekannte, die Reisenden kennen sich untereinander. Wenn man durch die wenigen Straßen der Dschungelhauptstadt schlendert kommen einem die Israelis, irgendein wahlloses laotisches Mädchen, das einen angeblich aus dem Bus kennt und zu meiner absoluten Überraschung die Franzosengang aus Vientiane entgegen. Na klar, die wollten ja auch nach Luang Prabang. Gemeinsam nehmen wir also die nächste laotische Stadt in Beschlag. An der Spitze des Zentrums, dort wo die Langboote anlegen, teilt sich der Mekong und umspült Luang Prabang regelrecht. Am anderen Ufer nur Urwald und meiner Vermutung nach Opiumwerkstätten. Zwar wird das hier ausnahmsweise nicht in den Bars verkauft, die Gegend unweit des goldenen Dreiecks sollte aber nicht weniger berüchtigt für die südostasiatische Drogenproduktion sein.


Mekong Luang Prabang


Mekong Luang Prabang


Mekong Luang Prabang


Nachtmarkt bei Nacht


Kobra im Whiskey


Jedes Tier, ne andere Wirkung

Die Langboote am Ufer sind für mich ebenfalls eine Option wieder von hier wegzukommen. Doch drei Tage Fahrt auf diesen winzigen, schmalen Gondeln ist mir dann doch zu viel. Die Speedboote, welche die Dauer auf ein paar Stunden verkürzen erscheinen mir dagegen zu teuer und sind angeblich gefährlich: immerhin bekäme man einen formschönen Helm. Bisher gefällt mir aber Luang Prabang. Vor allem, dass nach einiger Zeit jeder jeden kennt. Man hat Zeit und Ruhe, um sich die wenigen architektonischen Höhepunkte, wie das Wat anzuschauen oder beteiligt sich an der allmorgendlichen Bettelstunde der Mönche. Zusammen mit den Franzosen schaffe ich es für einige Stunden sogar noch weiter in die Provinz zu fahren. Zwar ist der Wasserfall für Touristen einigermaßen überteuert, doch ich schließe mich dem Tuk-Tuk-Fahrer an, der mit der Dorfjugend am Fuße des Wasserfalls schwimmen geht und die steilen Steinformationen hinaufklettert. Wasserfallschwimmen ist schwerer als gedacht. Mehr als einmal denke ich mir, es sei um mich geschehen, doch dann gibt es immer noch einen rettenden Bambusast, der schlimmeres verhindert. Wie die Einheimischen mit dem unsteten Unterwassergrund klarkommen, ist mir ein Rätsel. Froh nicht einige Meter ins nächste Bassin gestürzt zu sein, mache ich mich auf zum Tuk-Tuk und zurück in die Stadt. Letzte Gespräche mit einem indischen Mädchen, das seit fast zwei Wochen hier ist, weil es direkt nachdem sie von dubiosen Kletterseilen am Wasserfall abgestürzt war von einem Motorrad gerammt wurde. Dann letzte kulinarische Stärkung in Laos – Curry und sticky rice: wirklich gut. Nur das man den klebrigen Reis ungefähr drei Stunden lang zubereiten, kochen und dämpfen muss. Am Abend wird ein Bus bereit stehen, der mich zur Grenze bringt. In letzter Minute vor der Abfahrt wildes Geschrei. Da ist es geschehen. Handtaschendiebe direkt vor der Herberge. Das Motorrad heult auf, fährt davon, zurückbleibt eine am Boden zerstörte Touristin. Das gesamte Drama tue ich mir gar nicht mehr an. Morgen wird es zu Fuß nach Thailand gehen. Und dann? Chiang Mai wäre optimal, Chiang Rai okay. Wie genau es weitergeht wird ganz spontan entschieden.


Tempel


Tempelkatze


Wasserfall


Wasserfall


Wasserfall


Wasserfall