Doch kaum einer tanzt. Wie in Asien gar nicht unüblich stehen die Leute um Bartische herum und schlürfen, und jetzt kommt’s: Whiskey mit Soda. In den Clubs kann man sich die Flaschen direkt reservieren lassen. Nach dem Couchsurfing Meeting meinen zwei Deutsche zu mir, dass sie noch eine Flasche Whiskey im Club haben. Ich meine: was habt ihr? Ja, man kauft eine, trinkt sie halbleer und lässt sie in sein eigenes Fach stellen. Irgendwie macht es ja auch Sinn. Nachweislich vertragen Asiaten weniger als Europäer und warum sollte man sich dann gleich dazu zwingen, alles zu leeren.
Eine weitere Absurdität sind die Toiletten, auf die man am besten gar nicht erst geht – bzw. ist es empfehlenswert sich gleich in die Kabinen zu mogeln. Wer am Pissoir steht wird urplötzlich von hinten attackiert. Das nennt sich Service oder so. Während des Wasserlassens massieren einem wildfremde Menschen den Rücken. Selbst wenn man dankend ablehnt. Und am Ende wollen sie auch noch Geld dafür. Das muss einer mal hierzulande bringen.
KSR
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Mädchen: Ja, das ist in Bangkok natürlich auch so eine Sache. Oder wie die beiden Abba-Musiker Benny und Björn sagen würden: Eine Nacht in Bangkok und die Welt ist deine Auster – und wenn du Glück hast, dann ist die Perle darin sogar weiblich (Ist übrigens aus dem 80er Jahre Musical Chess – One Night in Bangkok). Doch selbst wenn es echte Mädchen sind, hat man keine Ahnung, auf was sie es abgesehen haben. Europäer sind schließlich gefragt: nicht nur wegen des Geldes, aber weiße Haut gilt als attraktiv. Ich laufe also durch irgendeinen Club – nennen wir ihn Spicy (die Namen sind austauschbar, doch als wir zwei Tage später eine Rechnung aus diesem Laden fanden, schlussfolgerten wir logisch, dort gewesen sein zu müssen). Eigentlich sind wir schon dabei das Lokal zu verlassen. Vorausschauend nehme ich die Flasche Whiskey lieber mit, da wir sowieso vergessen haben würden, wo wir sie reserviert gehabt haben hätten lassen werden (Futur 8). Doch als ich so entlang schleiche hält mich irgendeine Thailänderin auf. Man lässt sich auf kurze Gespräche ein, Small Talk – alles angenehm, und nach fünf Minuten fängt sie an, mich aus dem Nichts heraus zu küssen. Ёб твою…ich meine: was zum Teufel. Nicht, dass ich prinzipiell etwas dagegen gehabt hätte, aber irgendwie erschien mir die Sache mehr als suspekt. Verwirrt schaue ich mich um…frage, was in aller Welt sie von mir will. Sie kann es mir nicht sagen und ich zische ab. Vielleicht ein Fehler – oder auch nicht.
Die Flasche Whiskey konnten wir immerhin noch heil nach Hause transportieren, wo uns die schlafende Pennie verwirrt in Empfang nahm. Am nächsten Morgen war sie spurlos verschwunden und niemand schien sich mehr daran zu erinnern, was am Vorabend passiert ist. Nicht viel, wenn man es genau nimmt. Ich nutze die Verwirrung, um mir wenigstens einmal die Altstadt anzuschauen. Da gibt es einen goldenen Berg, Tempel, Tempel…auch Tempel…und Tempel ebenso. In einem Tempel liegt ein liegender Buddha aus reinem Gold. Und daneben gibt es einen Tempel. Die Rundfahrt durch die Stadt organisiere ich mir zunächst mit dem Boot, dann wird auf ein Tuk-Tuk umgestiegen, dessen Fahrer unentwegt aus kleinen, braunen Medizinfläschchen Energetika, namens Krating Daeng trinkt. Ein Aufkleber zeigt zwei Bullen, doch so ganz wie Red Bull sieht es dann eben doch nicht aus. Des Rätsels Lösung: die Österreicher haben es (wer könnte es anders von dieser gemeingefährlichen Nation – ich sage nur Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg, Fritzl und Natascha – erwarten) geklaut. Irgendeiner von ihnen – vielleicht sogar Fritzl selber: wenn ich mich recht erinnere hatte man ja einst seine idyllischen Urlaubsfotos an thailändischen Stränden im Fernsehen gezeigt (ohne die Familie im Keller versteht sich) – war wohl einst auf Reisen in Südostasien, sah was die Tuk-Tuk-Fahrer da ständig herunterschlucken und dachte sich: das wäre patentreif für Europa. Und voila: Red Bull ist entwickelt. Fast eins zu eins dasselbe Aussehen – etwas weniger Aufputschmittel hinein, damit das Herz nicht so rast und schon haben wir den großen Verkaufserfolg. Darüber sinnierend überhöre ich fast, wie mir der Fahrer tatsächlich schwört, dass ich nur 20 Baht zahlen müsste. Voraussetzung: Im Anschluss soll ich mich als potenzieller Kunde in einem indischen Anzugmacherladen zeigen. Ich und Interesse für Krawatten und Jacketts heucheln? Na wenn das mal gut geht. Zwischenzeitlich spiele ich schon mit dem Gedanken, mich ganz aus dem Staub zu machen, doch nach dem mich der Fahrer so intensiv durch die Stadt geführt hat, spiele ich das Spiel einfach mal mit. Und verliere es. 10 Minuten meinte er, zehn Minuten soll ich Interesse heucheln. Doch dummerweise weiß ich gar nicht, was ich genau fragen soll. Oh, das ist aber ein sehr schönes Material! Haben Sie das auch in blau? Nein, so klappt das nicht. Außerdem komme ich bei so etwas ohnehin nicht glaubwürdig herüber. Mit meinem Scheitern im Bekleidungsartikelgeschäft hätte der Thailänder nun wirklich rechnen müssen. Es war sein Fehler! Ein ungeschultes Auge! Schlechtes Einschätzungsvermögen! Nun, das ganze endet mit einer wirren Fahrt durch die Straßen von Bangkok und am Ende gebe ich es auf, werfe ihm das volle Geld auf den Sitz und kehre zurück nach Sukhumvit.
Golden Mountain
Innenstadt von Bangkok
Liegender Buddha
Dort haben sich bereits neue Gäste einquartiert. Pennies Freund Chris hat Besuch aus Deutschland, der eine feucht-fröhliche Atmosphäre schafft, in der ich gerne bereit bin, mich weiter aufzuhalten. Abend für Abend gehen wir wieder neue Diskotheken ergründen. Es nimmt kein Ende und eigentlich bin ich für die Abreise überfällig. Nur noch wenige Tage und ich muss außer Landes. Das Visum läuft ab und der nächste Grenzstützpunkt befindet sich entweder in Kambodscha, wo ich nicht hin möchte – da ich ein Visum brauche. Oder im Süden von Myanmar. Kawthoung ist die einzige Stadt von Burma, die man ohne Visum und für eine Handvoll Dollar betreten kann. Hier soll meine Visaflucht vollzogen werden. Aber statt mich auf den Weg zu machen, lasse ich lieber die Tage in Bangkok verstreichen: bei Wein, Weib und Gesang. Und grünen Currypfannengerichten. Der absolute Höhepunkt ist sicherlich die Schnurbartparty. Das Konzept hinkt jedoch. Es sollen mit fluoreszierender Farbe Schnurbärte in die Gesichter der Gäste gemalt werden, die mit einfach nur schwarzer Farbe viel besser zur Geltung gekommen wären. Ich hebe mich dabei besonders hervor, indem ich die Farbe bunkere und einen jeden mit dem Pinsel konfrontiere. Die Gemälde sind von allergrößter Raffinesse. Wo endete der Abend eigentlich? Ich weiß es nicht mehr. Doch irgendwann war wieder Mittwoch und ich war erneut beim Couchsurfing Treffen zu Gast. In hübscher Begleitung immerhin, doch die bereits bekannten Gesichter, die mich danach fragten, warum ich immer noch nicht abgereist bin, dienten als Wink mit dem Zaunpfahl. Eine Woche schon. Doch warum nicht. Was folgte, war eine kurze Auszeit vom Bangkok Lotterleben – und eine überraschende Rückkehr. Man kann es manchmal eben einfach nicht lassen.

Curry Times: Zu Gast bei Jekky
Curry Times: Zu Gast bei Jekky
Couchsurfing Treffen

Couchsurfing Treffen - Angriff
Meine Facebook-Einträge jener Tage:
Bangkok!!!
Heute muss ich aus Bangkok raus!!!
Doch geblieben
Immer noch in Bangkok
Immer noch
Komm nicht weg
Weg aus Bangkok
Zurück in Bangkok
Bilder von der Schnurbart-Feier
















