Weiter geht’s. Allmählich wird es Nacht. Dämmerung. Gespräche mit den Israelis, die ich für einen Augenblick mal wieder für französische Holländer oder holländische Franzosen halte. Und dann plötzlich tippt mich das eine Mädchen Aufmerksamkeit erhaschen wollend an: schau da, sie springen massenweise aus den Fenstern. Während sich der Bus auf holprigem Asphalt, wenn es überhaupt Asphalt ist, auf dem wir fahren, die Serpentinen hinauf quält, öffnet der erste Busbegleiter das Fenster, lehnt sich hinaus, pappt den blanken Fuß gegen die Scheibe und klettert spinnengleich nach oben. Der nächste reicht Decken und Kissen hinterher und folgt seinem Vorgänger. Schlafen die etwa da oben? Auf jeden Fall. Womöglich schnüren sie sich nicht einmal fest dabei, wenn der Bus gerade den gefährlichsten Abschnitt der Strecke hinter sich lässt. Erst kurz vor der Ankunft am Busbahnhof von Luang Prabang klettern die Gesellen wieder zurück in den Passagierbereich. Fast 22 Uhr. Ich hoffe zusammen mit den Israelis noch eine Unterkunft zu bekommen, doch die machen sich gleich auf in die erstbeste Herberge. Dabei wissen Tuk-Tuk-Fahrer mehr. Empfohlen wird mir das Spicy, Backpacker Hotel, nur ein Dollar pro Nacht und Gratis-Wi-Fi. Zehn Minuten Fußmarsch entfernt befindet man sich bereits am traditionellen Nachtmarkt, auf dem Hausfrauen potenzsteigernden Lao Lao Schnaps mit Cobraköpfen verkaufen. Man stößt auf Bekannte, die Reisenden kennen sich untereinander. Wenn man durch die wenigen Straßen der Dschungelhauptstadt schlendert kommen einem die Israelis, irgendein wahlloses laotisches Mädchen, das einen angeblich aus dem Bus kennt und zu meiner absoluten Überraschung die Franzosengang aus Vientiane entgegen. Na klar, die wollten ja auch nach Luang Prabang. Gemeinsam nehmen wir also die nächste laotische Stadt in Beschlag. An der Spitze des Zentrums, dort wo die Langboote anlegen, teilt sich der Mekong und umspült Luang Prabang regelrecht. Am anderen Ufer nur Urwald und meiner Vermutung nach Opiumwerkstätten. Zwar wird das hier ausnahmsweise nicht in den Bars verkauft, die Gegend unweit des goldenen Dreiecks sollte aber nicht weniger berüchtigt für die südostasiatische Drogenproduktion sein.
Mekong Luang Prabang
Mekong Luang Prabang
Mekong Luang Prabang
Nachtmarkt bei Nacht
Kobra im Whiskey
Jedes Tier, ne andere Wirkung
Die Langboote am Ufer sind für mich ebenfalls eine Option wieder von hier wegzukommen. Doch drei Tage Fahrt auf diesen winzigen, schmalen Gondeln ist mir dann doch zu viel. Die Speedboote, welche die Dauer auf ein paar Stunden verkürzen erscheinen mir dagegen zu teuer und sind angeblich gefährlich: immerhin bekäme man einen formschönen Helm. Bisher gefällt mir aber Luang Prabang. Vor allem, dass nach einiger Zeit jeder jeden kennt. Man hat Zeit und Ruhe, um sich die wenigen architektonischen Höhepunkte, wie das Wat anzuschauen oder beteiligt sich an der allmorgendlichen Bettelstunde der Mönche. Zusammen mit den Franzosen schaffe ich es für einige Stunden sogar noch weiter in die Provinz zu fahren. Zwar ist der Wasserfall für Touristen einigermaßen überteuert, doch ich schließe mich dem Tuk-Tuk-Fahrer an, der mit der Dorfjugend am Fuße des Wasserfalls schwimmen geht und die steilen Steinformationen hinaufklettert. Wasserfallschwimmen ist schwerer als gedacht. Mehr als einmal denke ich mir, es sei um mich geschehen, doch dann gibt es immer noch einen rettenden Bambusast, der schlimmeres verhindert. Wie die Einheimischen mit dem unsteten Unterwassergrund klarkommen, ist mir ein Rätsel. Froh nicht einige Meter ins nächste Bassin gestürzt zu sein, mache ich mich auf zum Tuk-Tuk und zurück in die Stadt. Letzte Gespräche mit einem indischen Mädchen, das seit fast zwei Wochen hier ist, weil es direkt nachdem sie von dubiosen Kletterseilen am Wasserfall abgestürzt war von einem Motorrad gerammt wurde. Dann letzte kulinarische Stärkung in Laos – Curry und sticky rice: wirklich gut. Nur das man den klebrigen Reis ungefähr drei Stunden lang zubereiten, kochen und dämpfen muss. Am Abend wird ein Bus bereit stehen, der mich zur Grenze bringt. In letzter Minute vor der Abfahrt wildes Geschrei. Da ist es geschehen. Handtaschendiebe direkt vor der Herberge. Das Motorrad heult auf, fährt davon, zurückbleibt eine am Boden zerstörte Touristin. Das gesamte Drama tue ich mir gar nicht mehr an. Morgen wird es zu Fuß nach Thailand gehen. Und dann? Chiang Mai wäre optimal, Chiang Rai okay. Wie genau es weitergeht wird ganz spontan entschieden.
Tempel
Tempelkatze
Wasserfall
Wasserfall
Wasserfall
Wasserfall
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