Die Dämmerung setzt ein und all die Rotlichtleute kommen aus ihren Verstecken und machen einen Nachtaufenthalt in der Innenstadt von Cat Ba Town unmöglich. Wie üblich zieht es mich in die städtische Peripherie. Der Plan für die Nacht wie folgt: entweder zelten oder noch besser: die Einheimischen werden einen europäischen Touristen in ihren eigenen Wohngebieten kaum erwarten. Diesen einmal erblickt winkt man den Ausländer meistens heran, lädt ihn zum Essen ein und wenn dieser dann noch erwähnt, dass er zelten möchte, so findet sich sicherlich auch dafür noch eine Lösung. Und die Rechnung geht auch selbstverständlich auf. Seltsamerweise ist es eine koreanische Familie, die mir sofort hinterherruft, als sie mich aus der Stadt hinauslaufen sieht. In Nullkommanichts sitze ich auf deren Wohnzimmerboden, trinke vietnamesisches Bier und esse den scharfen koreanischen Krautsalat und kross angebratene Fleischstücke mit Aluminiumstäbchen. Wie alle Leute auf Cat Ba profitiert auch diese Familie vom Touristenstrom. Der Vater verdient sich als Motorrad-Taxifahrer, die Mutter verkauft verschiedenste Waren – aber wer macht das in Vietnam eigentlich nicht? Über meine deutsche Herkunft freuen sie sich besonders, wahrscheinlich aber, weil es fast das einzige zu sein scheint, was sie wirklich verstehen. Immerhin kann ich ihnen auch klar machen, dass mir noch die passende Schlafstätte fehlt. Zelt, das sagen sie, kommt gar nicht in Frage, wo der Vater doch gerade eine wunderschöne neue, feinmaschige Hängematte geknüpft hat. Und so führt mein Weg direkt zwischen die zwei Bäume am Hafen, die zum Anwesen der Familie gehören. Der Spruch: „weil er an Geld ne Menge hatte, lag er gern in der Hängematte“, den Freud in seinem Witzbuch wieder und wieder rezitiert, trifft auf mich kaum zu. Gemütlich ist sie ja. Ich meinerseits habe aber keinen Dong mehr in der Tasche. Und auch am nächsten Morgen sollte sich die Situation nicht merklich bessern. Nach einer gründlichen Dusche im Haus der koreanischen Familie geht es direkt zum Geldautomaten. Im Restaurant daneben wird noch vom letzten zusammengekratzten Geld ein Kaffee bestellt und dann wartet man. Es schlägt 8 – niemand kommt. Es schlägt halb 9 – niemand kommt. Es schlägt 9 – die Geldautomatenaufmachspezialisten sind schon eine Stunde überfällig und mir reicht es allmählich. Ich entschließe mich dazu, einfach mit der Kreditkarte Geld zu holen, zum nächsten Reisebüro zu gehen und mich zu einem Boot zum Halong Bay vermitteln lassen. Anders geht es angeblich nicht. Zumindest so man die Anlegestelle der Boote nicht kennt. Ich bezahle 15 Dollar und werde mit dem Minibus nur 2/3 Kilometer über den Berg zur nächsten Bucht gefahren, wo ich mit einer ganzen Horde Franzosen auf einen kleinen Kutter springe, der langsam aber beständig das Festland hinter sich lässt und in die Wasserwelt aufbricht.
Waterworld – das ist überhaupt das Stichwort. Ausflüge zum Halong Bay werden meist von Familien betrieben, die ansonsten komplett auf Pontonstädten auf dem Meer leben. Städte ist vielleicht übertrieben, aber Siedlungen sind es allemal. Nach einigen Stunden Fahrt durch das bizarre Felsenlabyrinth kommen wir in der Hausbucht der Halong-Bewohner an. Einsamkeit. Meer. Felsen. Pontons. Aber: Hund und Satellitenfernsehen. Und wovon leben die hier?: nun, zum einen von den Touristen, die man zu allen möglichen Stellen fährt. Zum andern vom Fisch- und Krebsfang. In den kleinen Buchten werden die Meerestiere fachmännisch gefangen und zusammengebunden, dann nach Cat Ba gebracht – und man kommt mit einer ganzen Ladung Touristen wieder zurück. Für die wiederum gibt es ab und zu auch etwas vom frischen Fang. Pünktlich zur Mittagszeit wird für uns gekocht, und weiter geht es hinein in den Halong Bay. Hier zu navigieren – mir ist es ein Rätsel, wie man das machen soll. Der Archipel ist ein einziges Wirrwarr an Klippen und schroff aufragenden Steinzylindern. Auch unterirdisch hat das Meer an dem Gestein seine Spuren hinterlassen. Als wir die Höhlen von Halong betreten tauchen wir in eine weitere, ganz eigene Welt ab. Die anschließende Fahrt zur nächsten Insel, an der eine gewisse Übergabe zweier französischer Touristen und meiner Wenigkeit stattfinden soll, dauert Stunden. Der Kapitän verspricht mir jedoch hoch und heilig, dass wir rechtzeitig um 16 Uhr wieder zurück in Cat Ba sein werden, um den nächsten Bus zum Hafen zu erwischen. Man schmeißt uns behutsam auf eine kleine Nussschale mit Motor und ein betagter Seebär hält geradewegs durch die Klippen auf Cat Ba zu. Ankunft: 15:30 – immer noch Kilometer weit weg von der Busstation. Und wieder geht es auf das Motorrad, das gerade punktgenau zehn Minuten vor Abfahrt des letzten Busses nach Haiphong an der Fahrertür hält. Geschafft, fürs erste. Doch mir steht noch einiges bevor. Meine Sachen liegen immer noch bei den Staatsbediensteten, mein Bus nach Süden liegt aber woanders. Faktisch wird mir eine halbe Stunde nach Ankunft Zeit bleiben, um meine Sachen zu holen und mich zum Busbahnhof chauffieren zu lassen. Wenn das mal nicht im Chaos endet.

Pontonsiedlungen

Pontonsiedlung mit Hund - der hat sicherlich viel Auslauf hier

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Krebsfang

Halong Bay

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Höhlen und so

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Und? Happy End mal wieder?
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