Mittwoch, 7. Juli 2010

Sooooo…verboten

…ist die ehemalige Kaiserstadt im Herzen Pekings, an dessen Eingangsportal das riesige Porträt des Vorsitzenden Mao Zedong hängt. Und in der Tat, der Abschnitt des Kaiserpalastes, von dem der Stadtteil sein geheimnisvolles Attribut hat, ist auch heute noch nicht zugänglich. Ob allgemein oder aus Restaurierungsgründen, kann ich nicht sagen – man versteht ja kein Wort von dem, was da geschrieben ist. Man erahnt nur wie weit sich die Verbotene Stadt hinter den offiziellen Bereichen noch ausdehnt. Allein der zugängliche Teil ist riesig. Man benötigt den gesamten Tag, um alles zu sehen und hat dann immer noch nicht alles gesehen. Dieser offizielle Teil durfte übrigens auch in der Quing-Dynastie – die letzte der Königsfamilien, die im 17. Jahrhundert die Ming ablöste und 1924 vom republikanischen Staatscoup gestürzt wurde – von Gesandten betreten werden. Der Abschnitt aber, in dem politische Entscheidungen gefällt wurden, war vollkommen tabu. Ein riesiges Tor versperrte den Ankömmlingen den Zutritt. Sie mussten bis zu fünfzig Meter weit von dem Eingangsbereich entfernt stehen, bis ein Botschafter des Kaisers ihnen entgegengeeilt kam, um die Nachrichten in Empfang zu nehmen und sie weiterzuleiten. Das ganze ging aber nur bis ins später 19. Jahrhundert gut. Dann fing es schon an mit den Querelen. Die Opiumkriege zeigten dem kaiserlichen China seine militärischen und kommunikationspolitische Schwächen auf, die westlichen Mächte kontrollierten von nun an Häfen wie Hongkong und Shanghai, hatten Schiffsrechte auf dem Jangtse und zwangen den chinesischen Machthabern wie selbstverständlich die Abnahme nicht geringer Mengen von Opium auf. Die Einführung neuer Kommunikationstechnik und sonstiger Modernisierung half nur wenig. Die außenpolitische Situation sorgte für Stunk im Inneren. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Verbotene Stadt zum ersten Mal gestürmt. 1911 machten die Chinesen dann Revolution und führten ein ständiges Parlament neben dem letzten Kaiser Pu Yi ein, der sich ohnehin mehr für westliche Kultur als fürs Regieren interessierte. Ab 1924 musste er das auch nicht mehr. Ein Militärputsch enthob ihn aller jahrhundertedagewesener Würden und konstituierte die Republik China mit der Hauptstadt Nanjing (übersetzt: südliche Hauptstadt) anstelle von Beijing (nördliche Hauptstadt). Das ist Nanjing übrigens heute noch. Dummerweise befindet sich die Stadt nicht auf dem Territorium der Republik China, weswegen Maogegner Chiang Kai-shek Taipeh als Provisorium gewählt hatte. Seine republikanischen Truppen unterlagen 1949 den maoistischen Guerilleros, nachdem diese in nachher hinauf stilisierter Weise voller Pathos über die selbstinstallierten Pontonbrücken auf dem Jangtse stiefelten. So gesehen ein Schicksalsfluss. Und das Schicksal: Kommunismus, der große Sprung nach vorn, Kulturrevolution – 70 Millionen Tote. Heute: Pseudokommunismus – Hammer und Sichel haben sich in ein goldenes M verbogen: McDonalds und KFC stehen neuerdings im Zeichen der Planerfüllung. (Ganz im Gegensatz zu Blogspot und Facebook, die ich nur mit einem mir zugespielten Spezialprogramm anwählen kann: die Große Firewall von China ist ja so lahm). Mao wird trotzdem in Ehren gehalten und liegt in aller Seelenruhe in seinem gemütlichen Maosoleum. Gutes Wortspiel, oder? Und deswegen gleich noch eins: angesichts der vielen Qualen, die der Herr Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas seinem eigenen Volk bereitet hat, kommt der heutige Totenkult einem nationalen Maochismus gleich.

Der absolute Höhepunkt dieser Personenverehrung ist wie schon erwähnt das Mausoleum des Vorsitzenden. Die Gedenkhalle am Tiananmen ist sogar um ein Vielfaches größer als Lenins Leichenhalle auf dem Roten Platz. Mao muss man sagen – und das macht Sinn, da ihn ja erst 1976 das Zeitliche gesegnet hat – sieht insgesamt doch etwas frischer aus, als Vladimir Iljitsch. Während der russische Revolutionär eher wächsern wirkt, lässt Maos Leiche an Knackigkeit nichts vermissen. Dazu gesellt sich das typische Brimborium, welches Staaten betreiben, die ihre einstigen Oberhäupter zu Kultzwecken nutzen möchten. Meterlange Schlangen, Sicherheitspersonal, einzelnes Herantreten, keine Fotos, gedenkende Ruhe und natürlich: Hände aus den Hosentaschen! Die untere Hälfte von Maos Korpus bedeckt eine scharlachrote Kommunistenflagge, die an seine Rolle in der Revolution erinnern soll. Vielleicht verdeckt sie aber auch nur funktionaler Weise die unecht wirkenden Körperteile des Vorsitzenden. Alles Plastik, nehmen Forscher aus dem Westen an. Aber wahrscheinlich führen die Unmengen an Formaldehyd einfach nur zu einem etwas kunststoffartigen Aussehen. Formaldehyd kippen die Chinesen übrigens auch in Massen in Bier und andere Lebensmittel, um sie haltbarer zu machen. Pasteurisierung kann man sich hierzulande wohl nicht wirklich leisten. Deswegen ist das die billigere Variante, welche zudem noch die Bevölkerungszahl erheblich herunterschrauben dürfte. Wenn das mal der Kommunistischen Partei nicht in den Kram passt. So spart man sich die gesamte Ein-Kind-Propaganda und kommt auf dasselbe Ergebnis. Für mich jeden Fall ist Biertrinken in China damit genauso verboten, wie die Verbotene Stadt.


Und da hängt er...der Mao


Maos Maosoleum


Die Verbotene Stadt


Kaiserpalast

3 Kommentare:

  1. Was bin ich denn der einzige, der hier immer kommentiert! Leute, gebt doch auch mal euren Senf dazu! Als Ex-Blogger weiß ich, wie sehr einen das motiviert. Sonst schreibt der liebe Markus bald gar nichts mehr!

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  2. kommentar kommentar!

    Ja großartig. kommentar, ich bin dagegen, maosetot sollte es hier nicht wer den!

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  3. Nein nein, bitte weiterschreiben! Ich lese auch immer mit und muss an der ein oder anderen Stelle immer mal lachen über die ganzen Geschichten :) Und das passt so zu Markus :)

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